Abgabealter

Wir geben unsere Kaninchen als Geschwister, also zu zweit frühestens nach der 7. Lebenswoche ab, wenn ihre Verdauung stabil ist und sie ihre Mutter nicht mehr brauchen. Ziehen unsere Kaninchen alleine zu einem Partnertier aus, dann erst ab der 9. Lebenswoche. 

Im Internet konnte ich lesen, dass Kaninchen angeblich zwölf Wochen bei der Mutter bleiben sollen. Diese Ansicht kann ich nicht teilen. Erstens ist ein Kaninchenwurf für die Häsin mit sichtbarem Stress verbunden und die Jungtiere werden ab der 4.- 6. Woche in der Regel nicht mehr gesäugt und fressen selbständig.

Zweitens erkennt man in unserem großen Freigehege sehr schön, dass die Mutter keine Mutterrolle mehr übernimmt und die Jungtiere ihr auch nicht folgen. Sie orientieren sich an ihren Geschwistern bzw. an dem ihnen bis zur 6. Lebenswoche fremden Kastraten. Außerdem beginnen die Rammler ab ca. der 9. Woche ab und zu mit ersten Rammelversuchen, auch bei der Mutter. Sie sollten also alsbald in eine Aufzuchtgruppe bzw. in ein neues Heim wechseln, wo sie sich bis zur Frühkastration in ca. der 12. Woche gut einleben können. Sicherlich kann man Jungtiere bis zur 12. Woche bei der Mutter belassen und insofern die Rammler frühkastriert werden auch länger, aber notwendig oder sinnvoll erscheint es mir nicht, eher im Gegenteil.

Zwergkaninchen werden im Gegensatz zu größeren Kaninchenrassen früher reif. Man geht davon aus, dass sie theoretisch ab der 12. Woche zeugungsfähig sind. Wir haben es nie darauf ankommen lassen, um das zu testen, aber die Rammelversuche, die ich von so kleinen Rammlern (8.-12.) Woche bisher beobachtet habe, sahen eher noch nicht ernstzunehmen aus. Der Punkt ist, dass Kaninchenjunge  weit vor der 12. Woche stabil und alt genug sind, eigene Wege zu gehen. Wir sind also nicht herzlos, wenn wir unsere Jungtiere schon nach der 7. Woche abgeben, noch haben wir Platzmangel. Wir sind erfahren und vernünftig und wünschen uns für unsere Nachzuchten einen stressfreien Wechsel in die neue Umgebung. Die Erfahrung hat dabei gezeigt, dass die Abgabe zwischen der 7. und 9. Lebenswoche für alle perfekt ist und es unseren Nachzuchten im neuen Heim nach Rücksprache mit unseren Abnehmern jeweils sehr gut geht. (siehe Untermenu Fotogalerie Feedback) Diese Tatsache und die Erfahrung von Tausenden Rassekaninchenzüchtern weltweit (siehe auch einschlägige Fachliteratur dazu im Buchhandel) überzeugen mich persönlich mehr als die Meinung einiger weniger Internetseiten zur Kaninchenhaltung. Viel wichtiger als die Entscheidung, ob das Jungtier mit 7 oder 10 Wochen von seiner Familie getrennt werden sollte, erscheint doch die Frage unter welchen Zuchtvoraussetzungen und -bedingungen das Jungtier geboren und aufgezogen wurde und welche positiven Voraussetzungen es beim neuen Besitzer vorfindet. Ein Jungtier, das erst nach der 12. Lebenswoche ohne bis dato tägliche  liebevolle menschliche Zuwendung und noch unkastriert auszieht, hat sicherlich den schlechteren Start in eine Zukunft als Liebhaberkaninchen. Außerdem entstehen Kaninchenjungtiere bei uns nicht als Zufallsprodukt einer unkontollierten Haltung, sondern wir freuen uns einen langen Herbst und Winter lang auf die zwei Frühjahrswürfe. Glauben Sie wirklich, dass uns daran liegt, sie so schnell wie möglich los zu werden? Nein, Züchter tun, was sie bei den Jungtieren für das Beste halten, selbst wenn jeder Abschied schwer fällt. Der einzige vernünftige Grund, der mir einfällt ein Junges länger in der Familie zu belassen ist die Angst davor, dass die zukünftige Pflegefamilie eventuell nicht vorsichtig genug mit einem noch so zerbrechlichen Wesen umzugehen weiß und es zu oft und zu lange hochhebt, kuschelt und rumwurschtelt, wie mein Opa sagen würde. Wenn Sie sich an unsere Hinweise zur Eingewöhnung der Jungtiere halten, steht einer frühzeitigen Eingewöhnung im neuen Heim auch nichts im Wege.

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So sieht ein Jungtier mit 9 Wochen aus. Der Kopf ist in diesem Alter nicht mehr so rund wie bei einem Tier im Alter von 3 Wochen, rundet sich aber mit zunehmendem Alter dann wieder.

Eingewöhnung

Die Eingewöhnung von Jungtieren im neuen Umfeld, besonders wenn sie als Geschwister einziehen, verläuft meist unproblematisch. Die Neugier siegt schnell über die Angst und rasch haben sie sich ihr neues Reich erobert. Füttert man erst einmal weiter wie der Vorbesitzer, sollte es auch keine Probleme mit der Verdauung geben. Manchmal hört man von Tierärzten, dass Kaninchen so um die 8.-10. Woche etwas anfällig für Krankheiten seien oder schwächeln. Da dieses Alter oft mit dem Umzug in eine neue Umgebung verbunden ist, vermute ich Stress als Hauptursache.

Vermeiden Sie deshalb am besten Stress in Form von zu vielen Händen, die streicheln, anderen Haustieren, die das Kaninchen gleich begrüßen soll, oder großem Lärm. Behandeln sie die noch jungen Kaninchen einfach wie ein Baby. Nähern Sie sich sanft, lassen Sie es Sie mit der Nase anstupsen und geben ihnen Ruhe bis man merkt, sie fühlen sich einfach wie zu Hause. Beachten Sie unbedingt, dass junge Kaninchen noch sehr viel Schlaf brauchen. Nach einer 10-20 minütigen Aktivphase ist es für ein neun Wochen altes Tier nicht ungewöhnlich, dass es erst einmal wieder 20 Minuten ruhen muss. Manchmal kann man beobachten, wie sich die Kleinen richtig "hinkrachen", die Beine weit von sich strecken und sofort die Augen schließen. Wenn Sie Kinder in der Familie haben, dann achten Sie bitte am Anfang darauf, dass sie die noch kleinen Kaninchen  nicht zu lange am Stück "betüteln". Auch sind Kaninchenjunge noch sehr zart und zerbrechlich und sollten möglichst wenig hochgehoben und "rumgeschleppt" werden. Instinktiv haben Kaninchen Angst vor Beutegreifern und die menschliche zupackende Hand löst diese Angst auch aus. Natürlich soll ein Jungkaninchen an den Kontakt zum Menschen gewöhnt werden und auch einmal an das Hochgehobenwerden. Das geschieht jedoch am besten täglich in einer kurzen gezielten Trainingseinheit und nicht durch ständiges, unkontolliertes Beknuddeln und Herumwurschteln der noch recht wehrlosen Jungtiere. Im schlimmsten Fall kann es dabei zu tödlichen Verletzungen der Wirbelsäule und innerer Organe kommen, besonders wenn das Kaninchen aus größerer Höhe herunterfällt.

Die Eingewöhnung von einem Jungtier mit einem schon vorhandenen erwachsenen Tier ist etwas aufwendiger, aber meist auch unproblematisch. Nach den Strapazen des Transports, sollte sich das Jungtier erst einmal für mindesten eine halben Tag erholen dürfen und vorallem auch schlafen können. Am besten sie haben von Anfang zwei Schlafställe, die Sie auch bei entstehenden Auseinandersetzungen zum Trennen der Tiere zur Verfügung stehen haben.

Dann bringen Sie die beiden Tiere auf "neutralem Boden" zusammen. Das kann z.B. ein Raum sein, zu dem das alt eingesessene Tier sonst keinen Zugang hat oder auch das Freigehege an einem anderen Ort aufgestellt. Sie sollten darin viel leckeres Futter zur Ablenkung verteilen sowie für ausreichend Versteckmöglichkeiten in Form von Sichtschutz sorgen. Häuschen sind dafür absolut ungeeignet! Bleiben Sie in der Nähe, um im Ernstfall dem Jungtier schnell helfen zu können. Meist begegnen die älteren Tiere aber dem Neuling mit einer gewissen Gelassenheit und halten oft auch Abstand. Das Jungtier sucht irgendwann Kuschelkontakt beim Großen und wird es beim Dabeiliegen geduldet und man ruht zusammen, ist die Eingewöhnung geglückt. Sollte es an dieser Stelle bereits zu heftigeren Auseinandersetzungen kommen, müssen Sie die Tiere sofort trennen, weil das Jungtier sich sonst schnell sehr schwer verletzten kann. Die Vergesellschaftung sollte dann frühestens ab der 16. lebenswoche wieder versucht werden. Wichtig ist, dass die Tiere vor der Vergesellschaftung keinen Kontakt haben und sich auch nicht riechen können, damit sich kein Frust aufbaut. Bevor Sie die frisch vergesellschafteten Tiere aber auf engerem Raum gemeinsam "einsperren", sollten Sie sie noch ein paar Tage gut beobachten. Der Stall muss vor dem Einzug des Jungtiers komplett gereinigt werden und das Jungtier sollte dort auch als erster einziehen und das neue Heim in Ruhe ohne den Großen inspizieren dürfen.

Dein Einsatz von irgendwelchen Häuschen empfehle ich am Anfang der Eingewöhnung von Kaninchen generell nicht. Sie werden dadurch entweder sehr scheu oder im Falle der Eingewöhnung mit einem großen Tier kann es sein, dass das Jungtier darin bedroht wird und nicht flüchten kann. Auch der Einsatz der schönen Korkröhren ist erst zu empfehlen, wenn Ihr Kaninchen vor Ihnen keine Angst mehr hat.

Für den Transport von Tieren zum Tierarzt zum Beispiel ist es immer ratsam, die Tiere gemeinsam in eine Box zu setzen. Lieber zu zweit etwas eng, als bei der Autofahrt alleine hin und hergworfen. Muss nur ein Tier zum Arzt, dann lassen Sie das andere bitte zu Hause. Es ist ein Gerücht, dass sich die Kaninchen nach einer Trennungszeit nicht mehr kennen würden. Selbst nach einer Trennung von bis zu 10 Tagen haben sich unsere Tiere bisher immer gefreut, den Partner zu begrüßen und mit ihm zu kuscheln. 

Noch ein Tipp zum Schluss: die Transportbox am besten nur für den Transport benutzen und nicht als Wohnhöhle im Gehege. Die Tiere verbinden mit Autofahrten in aller Regel nichts Gutes und diese Box ist für sie stellvertretend das Böse.