Das Wildkaninchen

Wissenswertes über den Verwandten unseres Heimtieres

 Wildkaninchen Foto von Franc Cone Wenatchee US über Pexels free stock photos

Durch das Wissen über die natürliche Lebensweise des Wildkaninchens kann man viele nützliche Informationen für die Haltung unserer Heimkaninchen gewinnen.Trotzdem sollte man nicht davon ausgehen, dass das Verhalten der Wildkaninchen 1:1 dem Verhalten unserer Heimkaninchen entspricht. Studien haben gezeigt, dass es sich bei unseren domestizierten Kaninchen um an das Leben in menschlicher Obhut angepasste Kaninchen handelt. Wildkaninchen können nicht einfach domestiziert werden und verhalten sich, selbst wenn sie schon als Babys in menschliche Pflege kommen, überhaupt nicht wie Hauskaninchen! Wir vergleichen unsere Hunde ja auch nicht immer mit dem Wolf und artgerechte Hundehaltung orientiert sich auch nicht an natürlichen Verhaltensweisen von Wölfen im Rudel. Selbst wenn so manche engagierte Tierschützer den Unterschied zwischen einem Heimtier und einem Wildtier nicht mehr sehen wollen, ist er dennoch sehr groß.

Die meisten von uns haben wahrscheinlich weder Wildkaninchen noch Feldhasen in freier Wildbahn schon einmal zu Gesicht bekommen. Das liegt daran, dass beide Hasenartigen in der Natur recht vielen Fressfeinden ausgesetzt sind und man sie daher nur sehr selten sieht. Nur dort, wo sie sich sicher fühlen, sieht man sie auch tagsüber durch die Gegend hoppeln. Auf einer verschneiten Winterwiese kann man aber fast überall auch Kaninchen- oder Hasenspuren sehen, die zeigen, dass diese scheuen Tiere doch ihren Lebensraum mit uns teilen. Die wenigsten Laien können dabei den Feldhasen sicher vom Wildkaninchen unterscheiden und auch nicht alle Leute wissen, dass es sich dabei um doch recht verschiedene Tiere, zumindest was die Lebensweise und den Körperbau anbelangt, handelt.

 

Unterschiede zwischen Hasen und Kaninchen

Feldhasen Foto von David Bencz (Slovakia) über Pexels free stock photos

Beide Tierarten sind in Deutschland heimisch und ähneln sich auch von der Fellfarbe stark. Das Wildkaninchen ist mit durchschnittlich 2kg allerdings deutlich kleiner als der Feldhase, der meist mehr als das Doppelte auf die Waage bringt. Feldhasen haben viel längere Hinterläufe, die ihnen Geschwindigkeiten bis 80 km/h erlauben sowie Sprünge bis 2m Höhe und 6-8m Länge. Auch ihre Löffel, also die Ohren sind deutlich länger als die eines Wildkaninchens und haben jeweils einen großen schwarzen, sehr markanten Fleck in der Löffelspitze, der bei den Wildkaninchen nicht vorkommt. Wildkaninchen wirken nicht so lang und schmal wie ein Feldhase. Außerdem sind sie eher in größeren Gruppen anzutreffen und Feldhasen meist nur einzeln oder zu zweit.

Feldhasen leben nur auf der Erdoberfläche wohingegen Kaninchen Gänge und Höhlensysteme anlegen, in denen sie in Gruppen mit jeweils einem dominanten Weibchen und einem dominanten Rammler zusammenleben. Kaninchen sind sehr ortstreu und verlassen ihren Bau nur im Umkreis von wenigen hundert Metern. Feldhasen dagegen leben meist als Einzelgänger in sogenannten Sassen, also flachen Gruben, in denen sie Deckung finden.

Dieser Tatsache geschuldet, werden ihre Jungen auch als Nestflüchter voll entwickelt geboren. Die Jungtiere verbringen die ersten Tage nach der Geburt in einer Art Starre in der Sasse und bleiben dort im Idealfall von Feinden unentdeckt. Nach drei bis vier Wochen gehen sie dann bereits ihre eigenen Wege. Ganz anders bei den Wildkaninchen: sie bringen ihre Jungen in einem unterirdischen Bau zur Welt, den die Mutter bei Verlassen des Nestes sorgfältig verschließt um die Jungen vor Attacken aus der eigenen Gruppe bestmöglich zu schützen. Die Augen der Kaninchenbabys sind noch bis 10 Tage nach der Geburt geschlossen und auch das Fell entwickelt sich langsam. Frühestens drei Wochen nach der Geburt verlassen sie erstmals richtig den mütterlichen Bau.

Wildkaninchenbabies Foto von Jim Long, Fayettesville US von Pexels free photos

Die Lebensweise der Wildkaninchen

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In vielen Ratgebern zur Kaninchenhaltung kann man lesen, dass Kaninchen einen sehr großen Bewegungsdrang hätten. Was nun unter sehr groß genau zu verstehen ist, weiß ich nicht, aber ich weiß, dass sich Kaninchen deutlich weniger bewegen, als man es vermuten würde. In der freien Wildbahn, wird der Bau auch nur zur Nahrungsaufnahme und für Rangkämpfe und äußerst selten für übermütiges Herumtoben verlassen. Auch unsere Heimtiere bewegen sich a) nicht viel  b) recht langsam und c) nicht weit weg. Es gibt sogar Leute in ländlichen Gegenden, die ihre Deutschen Widder ganz frei im Garten oder Hof halten, also ohne Einzäunung. Maximal ein bis zwei Mal pro Tag haben unsere ausgewachsenen Kaninchen Tobelust, das heißt sie jagen durchs Gehege für ca. 10 Sekunden. Meist aber liegen sie einfach nur im Schatten und dösen. Mittags sollen sie genetisch bedingt immer ruhen, wie ich im Internet lesen konnte. Dieses Verhalten deckt sich mit meinen Beobachtungen, wobei mittags zwischen 10.00 und 16.00 bedeutet. Ich möchte an dieser Stelle nicht eine kleine Buchtenhaltung von Kanichen rechtfertigen, aber es muss gesagt werden dürfen, dass Kaninchen nicht rund um die Uhr einen riesigen Auslauf brauchen. Auch wurde bei Laborkaninchen beobachtet, dass sie sich in ihrem Aktiv- und Ruhemodus sehr wohl an die Beleuchtung und Wachzeit der Pfleger angepasst haben. Ich gebe aber auch gern zu, dass unsere Kaninchen morgens früh zeitig, wenn ich zur Arbeit fahre und sie ca. 6.00 Uhr ins Freigehege setze immer schon aktiv sind und auch abends gern länger wach bleiben und dann gern noch ein paar Sprünge durch ihren Nachtstall machen.

Auch was die Nahrungsaufnahme von Kaninchen anbelangt, gibt es meiner Meinung nach ein paar Mythen, die so zumindest nicht ganz stimmen und ein leicht verzerrtes Bild der Realität entstehen lassen können. Auf vielen Kaninchenratgeberseiten kann man lesen, dass Kaninchen quasi den ganzen Tag fressen müssen, weil sie durch die fehlende Darmperestaltik die gefressene Nahrung nur durch erneute Nahrungsaufnahme in Richtung Ausgang schieben könnten. Nun bin ich zugegebenermaßen kein Biologe oder Tiermediziner, aber man kann deutlich beobachten, dass Kaninchen a) nur sehr wenig fressen  b) auf der Weide das Gräsersuchen und -fressen Beschäftigung ist  und   c) sie zwar immer hungrig scheinen, aber nur auf Leckerlis. In der oben genannten Mittagsruhe habe ich an sehr heißen Tagen auch schon beobachtet, dass sie gar nicht aus ihrem kühlen Unterschlupf zum Fressen gekommen sind. Bei meinen Wildkaninchenbeobachtungen (auch ein Hobby) habe ich festgestellt, das der Bau oder Unterschlupf tagsüber kaum verlassen wird und es keine Bewegungen in der Gruppe über viele Stunden gab, die Tiere also auch nicht gefressen haben können. Auch hier möchte ich nicht dafür werben, das Heimkaninchen nach der 16 zu 8 Methode fasten zu lassen! Ich möchte lediglich zu bedenken geben, dass die Natur unsere Kaninchen durchaus ein wenig robuster ausgestattet hat, als es einige Ratgeber vermuten lassen. Gerade die Angewohnheit mancher Kaninchenhalter, ständig Trockenfuttermischungen in den Kaninchennäpfen vorrätig zu halten, ist aus meiner Sicht eher kontraproduktiv. Heu und Stroh und natürlich frisches Wasser reichen durchaus aus, um über den Tag zu kommen, vorausgesetzt sie sind nicht durch Kaninchenausscheidungen verunreinigt. Dann kann es schnell zu parasitären Darmerkrankungen kommen. Durch das Fressen von diesen harten kalorienarmen Fasern nutzen sich die Zähne unserer Heimkaninchen regelmäßig ab, was beim übermäßigen Füttern von Trockenfuttermischungen oder ständigem Gemüseverzehr leider nicht der Fall ist. Kaninchen sind da wie kleine Kinder. Wenn ich ihnen immer Spaghetti und Salat auf den Tisch stelle und ihnen dabei die Wahl lasse, essen sie nur die Pasta mit fettiger Sauce und gar keinen Salat. Will heißen, ein Kaninchen, welches immer die Wahl zwischen Heu und Erbsenflocken hat, frisst gar kein Heu. Das geht eine Weile auch gut, aber über kurz oder lang wird es dick und irgendwann auch krank. Kaninchen brauchen neben Heu und Gräsern wenn überhaupt dann nur ca. 100 bis 150g Gemüsezufutter pro Kilogramm Körpergewicht. Da ein Mini Lop nur ca. 1,5 kg schwer wird, reichen also ca. 150g Gemüse zusätzlich zum Heu/ Gräsern pro Tag aus. Das sind so zwei Kohlrabiblätter, 1/2 Möhre und ein kleines Stück Kohlrabi. Natürlich wird sich ihr Kaninchen über zusätzliche Abwechslung durch etwas Obst und verschieden Gemüse oder Salate sehr freuen, aber dadurch lässt es natürlich das Heu, das gut für die Zahngesundheit ist, auch irgendwann ganz liegen. Am meisten wird es sich jedoch immer auf frisches Grün von einer saftigen Wiese stürzen, genauso wie unsere Wildkaninchen, denen im Winter nur Rinde und Laub bleiben. Die im Internet leider weit verbreitete Meinung, dass Kaninchen viel Gemüse fressen sollen, entspricht in keiner Weise der natürlichen Ernährung eines Wildkaninchens. Viele Wildkaninchen haben sich mittlerweile in Kleinstbiotopen städtischer Grünanlagen niedergelassen und ernähren sich rund ums Jahr von dem dort wachsenden Gras und wenigen Blättern! Die meisten Kaninchen, die ich in Liebhaberhaltung gesehen habe, sind eher zu dick. Da kann man über Profizüchter reden was man will, das passiert ihnen mit ihren Tieren nicht.

Die Tatsache, dass Kaninchen einen Stopfmagen haben, wo Nahrungsbrei regelmäßig (nicht ständig) durch neue Nahrung weitergeschoben werden muss, ist für Kaninchenhalter sonst eigentlich nur im Rahmen von operativen Eingriffen am Tier relevant. Viele Tierärzte geben leider die Tiere nach der Kastration ohne den Hinweis an die Halter ab, dass das Tier unbedingt bald fressen muss. Viele Todesfälle nach Kastrationen insbesondere von Häsinnen gehen nicht auf eine misslungene OP zurück, sondern auf die Tatsache, dass die Kaninchen nach der Narkose nicht rechtzeitig wieder anfangen zu fressen. Achten Sie daher besonders darauf, wenn Sie Ihr Kaninchen nach der Kastration mit nach Hause nehmen, dass Sie ihm besonders leckeres Futter zur Verfügung stellen, welches Ihr Tier aber prinzipiell schon gewohnt sein sollte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zugegeben, meine Tiere bekommen vor allem im Winter eine etwas größere Portion und zusätzlich natürlich immer Zweige, frisches Gras, Heu und im Winter auch Grünfutterpellets oder faserreiche Strukturmüslis.

 

Die Wildkaninchen leben in Großfamilien zusammen und damit diese Gemeinschaft auf engem Raum gut funktioniert, gibt es eine klare Rangordnung mit einem dominanten Rammler und einer dominanten Häsin an der Spitze. Rangniedere Tiere werden nur geduldet und leben in der Großgruppe, weil das ihr Überleben in der Wildnis sichert. Von einem idyllischen Kuschelalltag in dem sich die Kaninchen gegenseitig wärmen und pflegen kann in der Wildnis keine Rede sein. Die Kolonie bietet ein System der effektiven Warnung vor Feinden und ist mehr eine Zweckgemeinschaft mit Konkurrenzkampf als eine harmonische Großfamilie. Auch unsere Heimkaninchen fühlen sich oft erst mit einem Partnertier oder einer Gruppe richtig wohl, in der sie einen festen Platz ihrem Naturell entsprechend einnehmen können. Leider geht diese Gruppenhaltung unserer Lieblinge auch immer einher mit den arttypischen Rangordnungskämpfen, Erniedrigungen und  Verletzungen einzelner Kaninchen, die nicht immer zum kuscheligen Kaninchenimage passen. Aus diesem Grund hält ein Züchter von Rassekaninchen seine Tiere in aller Regel auch getrennt - er hat einfach Angst, dass eines seiner Ausstellungstiere durch eine Verletzung an Wert verliert. Hobbyzüchter, die ihre Zuchttiere in einer Großgruppe halten, müssen auch häufig feststellen, dass es Kaninchen gibt, die einfach nicht in die Gruppe passen, weil sie entweder aggressiv werden oder durch Unterdrückung förmlich einzugehen drohen. Auf den Homepages diese Züchter kann man davon selten lesen, wohl aber im Kleingedruckten bei den ebay-Kleinanzeigen. Auch die Vergesellschaftung von sich fremden Kaninchen ist nicht immer einfach und manchmal sogar unmöglich. Auch diese Tatsache wird im Internet häufig etwas heruntergespielt, weil man sich natürlich für jedes bislang allein gehaltene Tier ein Partnerkaninchen wünscht. Nicht selten enden solche Versuche der Parnervermittlung von älteren Kaninchen aber damit, dass die Kaninchenhalter dann plötzlich zwei Tiere haben, die alleine gehalten werden müssen, weil die Vergesellschaftung nicht dauerhaft erfolgreich verlaufen ist. In der Natur wachsen Kaninchengruppen aus Großfamilien zusammen auf. Stress und Aggression, die sich aus Rangordnungsstreitigkeiten ergeben, werden auf viele Gruppentiere verteilt. Die Praxis der Paar- bzw. Gruppenhaltung von Kaninchen zeigt häufig, dass verwandte Tiere (Geschwister, Mutter mit Sohn) bzw. Jungtiere, die sehr früh miteinander vergesellschaftet wurden, also zusammen aufwachsen, die stabilsten Gruppen bilden. Voraussetzung für die Haltung von zwei Tieren ist in jedem Fall auch die Einrichtung von zwei Rückzugsorten und möglichst auch von zwei erhöhten Liegeflächen. Ansonsten wird darum früher oder später ein Kampf der beiden zusammengehaltenene Kaninchen entbrennen. Grundvorraussetzung für die Vergesellschaftung von Kaninchen ist VIEL Platz. Zwei Kaninchen in einem handelsüblichen Stall zu halten, ist auf lange Sicht, also über ihre Geschlechtsreife hinaus unmöglich!

Wildkaninchen sind eine sehr produktive Tierart, die sich rasant vermehren kann. Die dominanten Häsinnen der Wildkaninchen werfen im Jahr so ca. 5-7 Mal jeweils zwischen 5-10 Jungtiere. Eine Wildkaninchenhäsin wird mit ca. 4 Monaten geschlechtsreif und kann daher schon im ersten Jahr wieder eigenen Nachwuchs hervorbringen, wozu es jedoch aufgrund der Rangniedrigkeit der Junghäsinnen nur selten kommt. In freier Wildbahn überlebt die Hälfte bis 90% der Jungtiere das erste Jahr jedoch nicht und nur wenige Tiere werden älter als zwei Jahre. Wir Hobbyzüchter lassen eine Häsin nur 2-3x im Jahr zu und warten meist auch länger (ca. 8 Monate) bis zu ihrem ersten Wurf. Das Säugen der Jungtiere fordert einer Häsin enorm viel Energie ab. Sie frisst dann tatsächlich fast ständig und das vorzugsweise auch in Form von kalorienreicherem Kraftfutter. Würde man das der Häsin so nicht zufüttern, wäre sie bereits innerhalb weniger Tage sehr abgemagert. Vor diesem Hintergrund kann ich mir sehr gut vorstellen, dass neben der Bedrohung durch Jagd und Fressfeinde die Lebenserwartung der Wildkaninchen so gering ist. 

Häufig kann man im Internet lesen, dass ein Kaninchenjungtier 10 bis 12 Wochen bei der Mutter bleiben soll und keinesfalls zu früh von ihr getrennt werden dürfe, weil es noch viel länger als 7 Wochen gesäugt wird und die Mutter-Kind-Beziehung für die gesunde Entwicklung der Jungtiere wichtig sei. Es wird vor Züchtern, die Jungtiere im Alter von 7 Wochen abgeben, gewarnt, da das frühe Absetzen der Jungtiere im Alter von 7 Wochen sehr schaden würde. Auch hier hilft meiner Meinung nach ein Blick in die Natur. Eine Kaninchenmutter kümmert sich nur instinktiv um die Jungen und schaut meist nur 1-2 x pro Tag vorbei um sie zu säugen, nämlich dann, wenn der Druck in den Milchdrüsen steigt. Man kann problemlos auch fremde Kaninchenjunge unterlegen, was sie nicht bemerkt. Von einer intensiven Mutter-Kind-Beziehung kann man bei Kaninchen nicht ausgehen. In Großgruppen aus mehreren Häsinnen mit Jungtieren kann man sogar beobachten, dass die Jungtiere mit jedem Gruppenmitglied gleichermaßen Kontakt suchen und die Mutter nach 4 Wochen keine besondere Rolle mehr spielt. In der Natur werden Kaninchenjunge in der Regel nicht länger als 3-4 Wochen gesäugt, weil die Häsin sofort nach der Geburt wieder trächtig ist und alsbald schon den nächsten Wurf säugen muss. Mit 28 Tagen ist ein Jungtier auch von der Darmflora her stabil genug, um auf eigenen Beinen zu stehen und wird von der Mutter entwöhnt. Natürlich haben auch wir schon beobachtet, dass Jungtiere mit sechs bis sieben Wochen noch gesäugt wurden. Dass sie diese Form der Nahrungsaufnahme tatsächlich noch gebraucht haben, bezweifle ich. Haben wir bei einem Jungtier im Alter von sieben Wochen noch das Gefühl, dass es zu klein ist und noch seine gewohnte Umgebung braucht, trennen wir es selbstverständlich auch nicht von der Mutter.

Wichtige Verhaltensweisen zum Überleben, die Jungkaninchen in der Wildnis von der Gruppe lernen müssen, brauchen unsere Heimkaninchen überhaupt nicht und werden sie auch nie lernen. Das spätere Verhalten unserer Heimkaninchen ist instinktgesteuert und bedarf keiner längeren Lernphase in einer Mutter-Kind-Beziehung oder Gruppentherapie. Wer immer noch an eine liebevolle Mutter-Kind-Beziehung bei Kaninchen glaubt, sollte mal eine Häsin am Futternapf neben ihrem 4 Wochen alten Nachwuchs beobachen. Sie sorgt sich allein um ihr eigenes Überleben und Wohlergehen und wenig offensichtlich um das ihrer Nachkommen. Für das Wohl der Nachzuchten über die vierwöchige Säugephase hinaus sorgt sich bei unseren Heimkaninchen vor allem der Züchter, der diesen großen Schatz in unserem Fall täglich mit anderen frisch gesammelten Kräutern füttert und jegliches Leid von ihm fernhält. Glauben Sie mir, wenn es einen vernünftigen Grund gäbe, Jungtiere länger als 7 Wochen bei der Mutter zu lassen, dann würden wir und Hunderttausende andere Züchter das tun. Sorry Kaninchenwiese, manchmal sind wir einfach nicht einer Meinung.