Mini Lop Rasse Farben Genetik

Genetik - Grundlagen der Farbenlehre bei Kaninchen

Dieses Kaninchen ist für Experten nicht weiß, sondern schwarz - genetisch gesehen jedenfalls. Weiß ist bei Kaninchen keine Farbe. Wieso und warum erfahrt ihr hier.

Wie kommen die Fellfarben zustande?

Kleine Einführung in die Genetik der Kaninchenfarben

Mini Lop kommen in nahezu allen Farben und Zeichnungen vor, da die Liebhaberzucht hier keine Grenzen kennt. Die oft englischen Farbbezeichnungen führen im deutschen Sprachraum eher zur Verwirrung, als dass sie nützen. Ein thüringerfarbiger Mini Lop unterscheidet sich nicht von einem Mini Lop in sooty fawn oder black torty außer in der Tatsache, dass er von einem Züchter stammt, der lieber Englisch spricht. Obwohl ich Anglistik studiert und einige Zeit in den USA gelebt habe, weigere ich mich bislang die englischen Farbnamen zu benutzen. Nicht, weil ich es nicht kann, sondern weil es niemandem dient. Ich rede ja auch nicht von einem buck wenn ich einen Rammler meine und einer doe wenn es sich um eine Häsin handelt.

Ich versuche die Färbung eines Kaninchens für den interessierten Laien mit einfachen Worten zu erklären und erhebe dabei weder Anspruch auf Vollständigkeit noch auf Wissenschaftlichkeit.

Es wird Ihnen schon aufgefallen sein, dass einige Fellfarben häufiger sind als andere und das insbesondere in Zooläden die Auswahl an Fellfarben recht übersichtlich ist. Das liegt daran, dass gewisse Farben und Zeichnungen dominant vererbt werden. Dominant bedeutet, dass diese Farbe beim Nachwuchs vorherrschen wird, sobald ein Elternteil sie reinerbig, also doppelt, hat. Verpaaren Sie bspw. ein reinerbig schwarzes Tier mit einem blauen d.h. dunkelgrau gefärbten Tier, so werden alle Nachkommen schwarz sein, weil schwarz dominant ist (dominant wird im Folgenden fett gedruckt gekennzeichnet). Das heißt aber auch, dass diese Jungtiere die Farbe blau noch verdeckt im rezessiven Allel tragen und demzufolge auch weitervererben können, weil sie selbst mischerbig sind, denn sie tragen blau und schwarz.

Reinerbig = Allel für Schwarz (vom einen Elternteil) + Allel für Schwarz (vom anderen Elternteil)

Mischerbig = Allel für Schwarz (von einem Elternteil) + Allel für Blau (vom anderen Elternteil) Das Tier sieht aber trotzdem schwarz aus.

Jedes Jungtier bekommt für jedes Gen zwei Kopien, eine vom Vater und eine von der Mutter. Die dominante Kopie überdeckt dann später im Erscheinungsbild die rezessivere Erbanlage vom anderen Elternteil. Die verdeckte Kopie wird aber jeweils an die Hälfte der Nachkommen weitervererbt!

Die 4 Grundfarben

Nun hätte es uns die Natur zu leicht gemacht, wenn die Fellfarbe und Zeichnung nur von einem Gen abhinge. Nein, es gibt sehr viele Varianten von zwei Grundfarben nämlich:

Schwarz und Havanna (also schokoladenbraun), abgekürzt durch

C (Schwarz) und c (Havanna).

Schwarz ist dominant gegenüber Havanna. Aus der Farbe Schwarz, wird immer dann die Farbe Blau (dunkelgrau), wenn das Tier außerdem das rezessive Farbverdünnungsgen d doppelt hat (d d).

Aus einem gentisch Havanna-farbenen Tier wird durch das doppelte Farbverdünnungsgen d Feh (hellgrau).

Havanna, Blau und Feh sind deshalb Farben, die man seltener sieht, weil sie rezessiv vererbt werden.

Die Farbe Gelb bei Kaninchen ist auch recht besonders und tritt nur bei einer bestimmten Genkonstellation auf. Sie ist ebenfalls rezessiv und an ein kleines b (für weniger Schwarz, Havanna, Blau oder Feh Verteilung im Fell) sowie an G (für Wildfärbung) gekoppelt.

Schwarz, Havanna, Blau, Feh und teilweise Gelb sind eine Art Grundfarben, das heißt, dass ein Tier nicht zwei der genannten Grundfarben gleichzeitig zeigen kann. Es zeigt entweder Schwarz oder Havanna, es kann nicht schwarz-havannafarben sein. Es kann aber durchaus Träger der anderen Farben im rezessiven Allel sein und diese auch an seine Nachkommen weitergeben.

Die verschiedenen Zeichnungen oder Muster in denen diese Farben sich zeigen können 

(Beispielbilder der Muster siehe unter den Erklärungen,

in Klammern die Farbnamen im englischen Sprachraum)

Alle oben genannten Grundfarben bis auf Gelb gibt es nun noch in ganz vielen verschiedenen Zeichnungen, also Mustern, von denen wiederum einige dominanter sind als andere. Am dominantesten ist dabei

1) die Wildfarbe (G), d.h. das Fellkleid ist Schwarz oder Havanna oder Blau oder Feh gebändert mit hellbraun. Daraus ergeben sich die Farben (Schwarz) Wild/ Agouti (agouti), Havanna Wild (cinnamon), Blau Wild auch Perlfeh genannt (opal) und Feh Wild auch Lux genannt (lynx).

2) Trägt ein Tier nicht das dominante G für wildfarben sondern g für nicht wild, so ist es einfarbig Schwarz, Havanna, Blau oder Feh und kann demzufolge auch keine wildfarbenen Nachkommen hervorbringen.

Man sagt dann es trägt Vollfarbe. Die Farben heißen logischerweise auch nur Schwarz (black self), Blau (blue self), Havanna (chocolate self) und Feh (lilac self)

3) Trägt ein Tier das Chinchilla Gen (achi) so wird das hellbraun der Wildfarbe umgewandelt in weiß.

Auch hier gibt es wieder Schwarz Chin, Blau Chin, Havanna Chin, Feh Chin solange gleichzeitig G für wild getragen wird. (In Vollfarbe gibt es kein sichtbares Chinchilla, weil es ja auch keinen hellbraunen Fellanteil mehr gibt, der sich weiß färben könnte.) Manchmal kann man in Tierinseraten lesen, dass der Mini Lop die "sehr seltene Farbe non-agouti chinchilla blau trägt". Es handelt sich dabei um ein äußerlich blau also ganz normal dunkelgrau gefärbtes Tier, welches das Chinchilla Gen trägt, aber eben nicht zeigt, weil das Tier außerdem Vollfarbe ist oder non-agouti, wie das in der Fachsprache genannt wird. Diese Information kann für Züchter bei der Berechnung der zu erwartenden Farben in den Nachkommen interessant sein, für ein Liebhabertier oder gar einen Kastraten ist es jedoch komplett irrelevant, wenn nicht gar unlauter das Tier als irgendwie besonders blau gefärbt anzupreisen. Das Blau eines non-agouti chinchilla farbenen Kaninchens ist nicht anders als das jedes anderen blau gefärbten Tieres!

Die Farbbezeichnungen sind  (Schwarz) Chinchilla (chinchilla) und Blau Chinchilla (squirrel)

 

4) Trägt ein Tier das sogannte Japaner Gen (bj), heißt das, dass das Tier anders als im wildfarbenen Fellkleid die Farbe Schwarz und die Farbe hellbraun nicht auf jedem Haar abwechselnd (gebändert) sondern auf Haarbüschel, also in Farbfeldern verteilt trägt (marmorierte Farbverteilung). Wie groß jeweils der Anteil an Schwarz oder Havanna oder Blau oder Feh in Kombination mit hellbraun ist, kann sehr unterschiedlich sein. Manche japanerfarbigen Tiere haben zum Beispiel auch nur einen kleinen Farbstreifen und sehen ansonsten hellbraun aus.

(Die Japaner heißen im Englischen Sprachraum harlequin oder auch kurz harli)

5) Tritt das Japaner Gen zusammen mit dem Chinchilla Gen auf, dann...    Quizfrage (wenn Sie bisher alles gut verstanden haben, sollten Sie die Antwort wissen)?

Alle hellbraunen Felder werden wieder durch weiß ersetzt, so dass das Tier weiß- schwarz oder weiß-blau oder weiß-havanna oder weiß-feh marmoriert erscheint. Das weiß marmorierte Farbmuster wird Rhön (magpie) genannt und sieht in der Variante Schwarz-Rhön aus, wie der Stamm einer Birke.

6) Thüringer Gen (b) ist das rezessivste dieser Reihe. Es heißt dass im Gegensatz zum Japaner keine Farbfelder Schwarz zu finden sind, sondern nur noch rauchig farbene schwarze, blaue, havanna oder feh Abzeichen auf der Körperunterseite wobei der restliche Körper hellbraun aussieht. Früher habe ich mir Thüringer immer mit der Eselsbrücke Bratwurst gemerkt. Die ist auch oben braun und die Unterseite vom zu heißen Grill etwas schwarz. Genau so sieht ein Schwarz-Thüringer aus.

Die Farben dieser Gruppe heißen (Schwarz) Thüringer (sooty fawn oder black tort(y)), Blau Thüringer heißen in Deutschland Isabell (beige), Havanna Thüringer werden in Deutschland Orange genannt (chocolate torty) und Feh Thüringer heißen in Deutschland Separator (lilac torty oder sussex cream)

Achtung den Farbnamen Orange gibt es im englischen Sprachraum auch, allerdings für Gelb farbene Tiere, die genetisch zwar auch Thüringer sind, aber außerdem ein G, also Wild tragen!

Diese Gelben Tiere haben je nach der Grundfarbe auf der der Gelbton basiert im englischen unterschiedliche Namen:

Gelb (schwarz basiert) ist im Englischen orange

Gelb (blau basiert) ist im Englischen fawn

Gelb (feh basiert) ist im Englischen cream

7) Den Thüringer (b) gibt es natürlich auch noch in Kombination mit Chinchilla (achi), wodurch das hellbraun unserer Bratwurst oben natürlich wieder fast weiß, also sehr hell wird. Diese Kombination ist dann Sallander ( iron grey oder seal point, was eigentlich die Bezeichnung für Siam ist, da sich die beiden Färbungen sehr ähnlich sehen) oder weiße Bratwurst. (Auch vom Sallander haben wir wieder 4 Varianten, wie in allen 7 Punkten bis jetzt: Schwarz-Sallander, Blau-Sallander, Havanna-Sallander und Feh-Sallander.

Eine Sonderform des Sallanders tritt auf, wenn das Kaninchen zusätzlich noch Wild siehe 1) trägt. Diese Tiere sehen dann oft fast weiß aus (siehe Großfoto ganz oben) und nur noch die im Wild schwarz, blau, havanna oder feh gefärbten Grannenhaare sind dann zu sehen. Diese Tiere heißen Schwarz-Granne (Frosty Point) und vererben natürlich auch je nach Grannenfärbung Schwarz und Wild, wenn man sie mit einem Tier verpaart, das ein dominantes B für Farbe am ganzen Körper vererbt.

8) Loh oder Otter (go): Das sind Tiere mit umgedrehter Bratwurstfärbung, wenn Sie verstehen, was ich meine. Bei diesen Tieren ist die Farbe, also Schwarz oder Havanna oder Blau oder Feh auf dem Rücken und das hellbraune Fell immer auf der Körperunterseite und um die Augen. Das go ist rezessiv zur Wildfärbung, aber dominant gegenüber der Vollfarbe.

Die Fellfarben dazu heißen Schwarz Loh (black marten), Blau Loh (blue marten), Havanna Loh (choc marten), Feh Loh (lilac marten)

9) Sie haben es erfasst: auch das gibt es wieder in Kombination mit Chinchilla und somit sind die hellbraunen Haare dann weiß. Die Zeichnung nennt man dann weißgrannenfarbig (im Englischen fox genannt)  Schwarz (black fox) oder Blau oder Havanna oder Feh.

10) Das Siam Gen (seal point) (am): Hier ist die Grundfarbe auf dem Rücken und Bauch des Tieres deutlich verdünnt. Das Fell erscheint beige-hellgrau mit schwarzen, blauen, havanna, feh Abzeichen an Schnauze, Ohren und Läufen. Es verhält sich rezessiv zu Vollfarbe und auch zu Chinchilla, ist also auch eher selten.

Zu allem Überfluss kommt noch die Farbe weiß dazu. Sie ist bei Kaninchen genetisch keine Farbe im Sinne von Schwarz, Blau, Havanna oder Feh, sondern legt sich wie eine weiße Schneedecke oben auf die Kaninchenzeichnungen von 1, - 10. drauf und deckt sie in Form einer Holländerzeichnung oder Scheckung oder machmal auch komplett ab. Das heißt, dass man bei einem weißen Tier mit blauen Augen nie weiß, welche Farbe es eigentlich vererbt, bis man es nicht testverpaart hat.

Weiße Tiere mit roten Augen sind Albinos und haben mit den anderen weißen Tieren genetisch nichts gemein.

Das Erscheinungsbild Ihres Kaninchens ergibt sich also aus der Kombination der 5, jeweils von den Elterntieren erhaltenen, dominanten Allele aus den 5 Reihen: Dominant ist das jeweils höher stehende Allel einer Reihe.

1) Die A Reihe:

A     Farbe schwarz oder havanna oder blau oder feh bzw. hellbraun über den ganzen Körper verteilt

achi      kein hellbraun im Fellkleid sondern weiß

am      Siam oder Marderzeichnung = Vollfarbe nur an bestimmten Körperpunkten (Kopf, Ohren,Läufe)                  ansonsten Farbe cremig verdünnt)

an        Russenzeichnung = wie Siam nur Körper weiß statt cremefarben und mit roten Augen

a         Albino = weiß mit roten Augen

2) Die B Reihe:

B        Farbe (Schwarz, Havanna, Blau, Feh) auf jedem Haar des Fells

bj       Farbe nur auf manchen Haarbüscheln, ansonsten hellbraun

b        Farbe nur als schwacher Schleier auf der Körperunterseite, ansonsten hellbraun

3) Die C Reihe:

C       Schwarz

c       Havanna

4) Die D Reihe:

D      ohne Verdünnung also Schwarz oder Havanna

d       mit verdünnter Farbe also Blau oder Feh

5) Die G Reihe:

G        wildfarben (Haare gebändert mit hellbraun und weiß)

go      Otterfärbung mit hellbraunen Haarspitzen nur auf der Körperunterseite

g        ohne hellbraune Fellspitzen

 

 

 

 

 

 

Bsp. unser Kastrat: Er sieht hellbraun aus am ganzen Körper, bis auf eine weiße Holländerzeichnung am Kopf und weißen Ohren. Nun ist hellbraun genetisch keine Farbe! Er muss also irgendwo, wenn auch nur in kleinen Mengen Farbe zeigen. Guckt man genau, sieht man am hinteren Rücken mehrere grauere Streifen. Grau ist entweder blau oder feh. Er ist in jedem Fall gestreift, also Japaner und damit bj. Da hellbraun sichtbar ist, auch A (Farbe am ganzen Körper). Klein d für auf jeden Fall verdünnt. Klein g für kein wild und kein Otter. Die große Frage ist noch blau oder feh? Da Feh häufig auch das hellbraun farblich heller und rötlicher erscheinen lässt, was hier nicht der Fall ist, bleibt nur noch blau-japaner-farbig mit Holländerzeichnung.

                              

        A bj C d g  (Phänotyp = das zeigt das Tier)

[Darunter liegen natürlich noch die weniger dominanten unsichtbaren Farbanlagen vom anderen Elterntier, die man manchmal weiß oder sich erschließen kann. Wenn im Phänotyp schon ein rezessives Gen gezeigt wird, kann natürlich kein dominanteres versteckt dahinter liegen! Das heißt auch im Genotyp kann unser Kastrat kein Wild (G) und kein Schwarz/ Havanna tragen, da er d/d hat. Was allerdings unter dem großen A, C noch liegt, kann man nicht genau sagen. Dazu müsste man ihn testverpaaren, was bei einem Kastraten natürlich Unsinn ist.

Unsere Zuchthäsin zeigt sich Blau-Rhön-farben mit einem dunklen Fleck an der Nase. Rhön ist die Kombination aus gestreift (bj) und achi (weiß statt hellbraun mit blau gestreift). Blau ergibt sich aus  C (schwarz) und d/d (Verdünnung). Der dunkle Fleck an der Nase lässt darauf schließen, dass Siam mitspielt. Sie zeigt sich also

achi  bj  C   d    g (Phänotyp)

Aus der Verpaarung mit einem unserer Rammler sind Thüringer gefallen (b/b). Das heißt, die Häsin muss noch verdeckt ein b tragen, sonst hätten die Jungtiere ja nicht eins von der Mama erben können. Im Wurf waren außerdem Siam. Also muss sie auch Siam (am) weitergeben. Da im Wurf auch Feh gefallen ist, heißt das außerdem, dass sie noch Havanna (c) vererben kann.

am   b    c     d    g (Genotyp = die unsichtbaren genetischen Anlagen, die weitervererbt werden können)

Die Farbanlagen der Häsin lassen sich also wie folgt darstellen:

achi/am  bj/b  C/c  d/d  g/g

        

 
 
Mini Lop Kaninchen Farben Farblehre
Kaninchenfarben Farblehre Mini Lop
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Farbe: Schwarz-Wild

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Farbe: Schwarz-Chinchilla

Mini Lop Rhön

Farbe: Blau-Rhön

Bilder Mini Lop Rasse
Bilder Mini Lop Farben
Bilder Mini Lop farben

Farbe: Blau-Thüringer

Farbe: Feh-Sallander

Farbe: Blau-Siam (die Färbung ist im Jugendkleid kaum sichtbar und wird mit zunehmendem Alter immer stärker im Unterschied zum Sallander, wo die Zeichnung schon im Jugendkleid oft schon deutlicher ist.

Wir Züchter von Liebhabertieren geben die Färbung eines Kaninchens aufgrund seiner genetischen Anlagen an und nicht entsprechend der Vorgaben des Standards für Rassekaninchen an bestimmte Farben. Abgesehen von der Tatsache, dass bestimmte Zeichnungen laut Rassekaninchenstandard überhaupt nicht vorgesehen sind - sie aber genetisch und optisch dennoch existieren - trägt für uns ein Kaninchen eine bestimmte Farbe aufgrund der Gene, die wir aus seinem Phänotyp (Erscheinungsbild) ableiten können. Ob diese Farbe für einen Züchter von Rassekaninchen typvoll ist, ist uns dabei herzlich egal. Wir begreifen die Färbung eines Mini Lop als eine Art individuellen Mantel, den das Tier über seinem Typ trägt. Welche genaue Färbung von Blau oder in welcher Tiefe und Ebenmäßigkeit dabei vorliegt, spielt für uns keine Rolle. Ein Tier ist Blau, sobald es Blau also dunkelgrau zeigt, auch wenn es nicht exakt das Blau eines Blauen Wiener Rassekaninchens zeigt. Die Züchter von Rassekaninchen können sehr lange über die Ausprägung einer bestimmte Fellfärbung sinnieren, weil sie nur Kaninchen in einer Farbe züchten und es da sehr wohl auf feine Unterschiede ankommt. Wir Züchter von Liebhabertieren sehen gerade in den unterschiedlichen Ausprägungen von Fellfärbungen einen besonderen Reiz. Was für einen Rassekaninchenzüchter vielleicht ein Fehler in der Zeichnung ist, ist für so manchen Liebhaber das seltene Juwel.

 

Vererbung der Scheckungen und der blauen Augen

Als Scheckung bezeichnet man die weißen Felder (Flecken) im Fell eines Kaninchens. Für die verschiedenen Arten der Scheckung werden drei verschiedene Gene verantwortlich gemacht:

1. Die Englische Schecke (Punktscheckung, in engl. oft als Broken bezeichnet) mit der Bezeichnung K für das Gen. Diese Scheckung verhält sich dominant, das heißt ein Tier mit einem Scheckungsgen groß K also mit K/k zeigt eine Scheckung, ein Tier ohne groß K also mit k/k zeigt keine weiße Scheckung. Zwei gescheckte Tiere sollen nicht miteinander verpaart werden, da dabei Jungtiere (Weißlinge) entstehen können, die nicht sehr lange leben. Die Verpaarung von zwei Schecken gilt als Qualzucht.

2. Die Holländerscheckung (Plattenscheckung im Enlischen entweder als Dutch oder Vienna bezeichnet) wobei die Tiere am Kopf und Vorderkörper mehr oder weniger große weiße Farbflächen zeigen. Während wir in Deutschland davon ausgehen, dass die Holländerscheckung durch ein Gen mit der Bezeichnung S (nicht gescheckt) bzw. s1 s2 s3 (verschiedene Grade der Scheckung) hervorgerufen wird, haben die Engländer dazu eine andere Theorie:

In England unterscheidet man zwischen einer echten Holländerscheckung, wie sie bei der Rasse des Holländerkaninchens zu sehen ist, und Tieren die durch das Gen, welches für den Weißen Wiener verantwortlich ist, gescheckt sind. Beide Arten der Scheckung sehen sich bisweilen zum Verwechseln ähnlich, vererben sich aber laut englischer Züchterpraxis grundverschieden.

2a) Für die klassische Holländerzeichnung geht man in England von einem Gen Namens Dutch (Du abgekürzt) aus. Diese Holländerscheckung ist rezessiv gegenüber der Vollfarbe und ein Tier muss du/du tragen, das heißt zwei rezessive Allele, um diese Holländerzeichnung zu zeigen. Aus der Verpaarung solcher Tiere gehen nie weiße Tiere mit blauen Augen hervor (BEW)!

2b) Für das weiß, wie wir es in der Rasse des Weißen Wieners sehen, ist ein anderes Gen verantwortlich (im Englischen mit V bezeichnet als Abkürzung für Vienna Gene (Wiener Gen). Dieses Gen soll sich komplett anders verhalten, als das rezessiv vererbte du-Holländergen siehe 2 a. Und eben dieses V-Gen ist auch für eine Weißscheckung verantwortlich, die manchmal der Holländerscheckung sehr ähnlich ist, manchmal aber auch nur weiße Abzeichen und blaue Augen hervorruft. Diese Wienerscheckung ist in Rassekaninchenzuchten außerhalb der Zucht mit Weißen Wienern sehr gefürchtet, weil sie für viele unliebsame Überraschungen und weißen Fehlzeichnungen bzw. blaue Augen sorgen kann, die in der Zucht anderer Rassen als schwerer Fehler gelten. In der Zucht von Liebhabertieren erfreut sich dieses Gen jedoch ausgesprochen großer Beliebtheit, nicht zuletzt gerade weil es für Überraschungen im Wurf sorgt, einzigartige weiße Flecke hervorruft und teilweise auch bestechend blaue Augen.

Ein Tier mit zwei großen V/V Allelen zeigt keine Scheckung und trägt, also vererbt sie auch nicht.

Ein Tier mit nur einem kleinen v, das heißt ein mischerbiges Tier (V/v) zeigt eine mehr oder weniger große Weißscheckung die manchmal mit blauen Augen einhergeht oder zeigt keinerlei Scheckung, kann die Veranlagung dazu jedoch über viele Generationen weitervererben. Das heißt, dass man bei einem kleinen v in der Zucht nie sagen kann, ob sich eine Scheckung zeigen wird oder nicht, ob die Augen blau sein werden oder nicht. Es ist Zufall. Hat ein Tier jedoch zwei kleine v/v im Deutschen auch gern mit x/x gekennzeichnet. so ist es automatisch ganz weiß mit bestechend schönen blauen Augen, ein BA (im Engl. BEW ein Blue Eyed White). Ist ein weißes Tier dabei genetisch havanna oder feh basiert, wird oft auch das Blau der Augen etwas schwächer und blasser. Hat man ein holländer-geschecktes Kaninchen aus einer Liebhaberzucht, kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass es ein Tier mi dem V/v-Gen ist, also bei der Verpaarung Überraschungsscheckungen und Augenfarben bringt und auch ganz weiße Tiere mit blauen Augen. Bei der Verpaarung von zwei so gescheckten Tieren werden mit Sicherheit auch Weiß BA fallen.

Ich persönlich als Nicht-Biologe finde die Theorie der englischen Züchter für mich überzeugender. Nach der Analyse von hunderten Würfen, die ich mir auf den Homepages anderer Hobbyzüchter angeschaut und analysiert habe, zeigte sich immer wieder, dass es sich um einen mischerbigen Faktor handeln muss.

    

Neben den oben genannten Farben und Zeichnungen gibt es noch weitere hier nicht vorgestellte Varianten, die aber im Hobbyzuchtbereich kaum anzutreffen sind, wie z.B. die Farbe eisengrau, marderfarben, russenfarbig oder hotot. Mithilfe meiner Erklärungen soll es, wie schon gesagt, dem Laien ermöglicht werden, die Farbe seines Tieres zu bestimmen. Manchmal fällt es auch dem geübten Auge nicht auf Anhieb leicht, besonders wenn die Zeichnung nicht ganz typisch ausgeprägt ist. Selbst Züchter sind oft von den Fellfarben des Nachwuchses überrascht, wenn sie nicht berechnet haben, welche Gene die Zuchttiere noch verdeckt, also rezessiv weitergeben können.

Ohne genaues Wissen um die Gene der A,B,C,D und G Reihe und zwar in beiden Allelen sind keine Vorhersagen darüber zu treffen, welche Fellfarben im Wurf auftreten werden.

Wenn Sie lernen wollen, die zu erwartenden Farben des Nachwuchses aus zwei Tieren zu bestimmen, dann müssen Sie, ob Sie wollen oder nicht, an die Gencodes ran und zwar in beiden Allelen. Das beste Beispiel dafür sind unsere letzten beiden Würfe: keines der Jungtiere, die Betonung liegt auf kein einziges, sah so aus wie eines der Elterntiere oder der Großelterntiere und bei 11 Jungtieren hatten wir 9 verschiedene Zeichnungen! Dennoch fielen alle in die zu erwartenden Farben. Jeder Wurf ist anders, wie jeder Wurf mit 20 Würfeln anders ist. Will man die zu erwartenden Farben berechnen, muss man lernen, die Gene nach dominant und rezessiv zu lesen. Es ist wie eine Fremdsprache, aber es gibt keinen Weg daran vorbei. Es sei denn man züchtet reinrassig, das heißt mit tätowierten Rassekaninchen. Da sollen alle Jungtiere möglichst gleich aussehen & dem vorgeschriebenen Standard nahekommen. Wir als Hobbyzüchter von Liebhabertieren kennen uns mit dem Standard der geforderten Merkmale für den Körperbau einer Rasse und den unerwünschten Eigenschaften zwar gut aus, bei der Fellfärbung aber haben wir Spaß am Farbenspiel der Gene und würfeln gern.