Artgerechte Kaninchenhaltung Bilder.JPG

Kaninchenhaltung - So leben unsere Kaninchen

In der Gruppe - mit vielen frischen Gräsern und Kräutern, die sie sich von der Wiese selbst aussuchen dürfen

Bilder Mini Lop Freilaufkaninchen
Freilaufkaninchen
 

Wer mit wem

Viele Leute, die Kaninchenhaltung nur aus Kindertagen in Form einer Einzelhaltung in kleineren Buchten zur Kanichenmast oder -zucht kennen, sind verständlicherweise verunsichert, wenn man Ihnen rät, die Tiere doch als Paar oder Gruppe zu halten. Die Züchter früher hätten das doch sicherlich auch gemacht, wenn es so leicht gewesen wäre?!

In der Tat ist es eigentlich unmöglich Kaninchen zusammen auf sehr kleinem Raum zu halten. Die handelsüblichen Ställe, auch die mit zwei Ebenen, sind für die Haltung von zwei Kaninchen auf Dauer ohne Auslauf (großen Auslauf wie beispielsweise ein separates Zimmer) zu klein. Die Tiere mögen die ersten 5 vielleicht sogar auch 8 Monate ein Herz und eine Seele sein, irgendwann wird ein Tier unterdrückt. Entweder es wird vom Futter weggebissen oder vom Pfleger ferngehalten, manchmal auch ständig bedrängt. Oft hört man von Haltern, dass ein Partnertier nach zwei Jahren leider plötzlich und ohne erkennbare Anzeichen einer Krankheit verstorben ist. Ich habe dazu nicht empririsch geforscht, würde aber vermuten, dass Stress durch Vergesellschaftung auf zu engem Raum häufig eine Mitschuld trägt. Das Tier hat wahrscheinlich gelitten, ohne dass Sie als Halter das mitbekommen. Kaninchen sind sehr stressanfällig.

Kaninchen brauchen zum Wohlbefinden Artgenossen, aber nicht als zusätzlichen Stress auf beengtem Raum.

Wenn Sie also schon ein Kaninchen haben und keinen Platz, dann kaufen sie bitte kein zweites dazu. Es wird nur kurzfristig funktionieren. Stellen Sie sich vor, Sie müssten mit Ihrem Ehepartner von jetzt an nur im Bad leben. Ich liebe meinen Mann, aber unter solchen Umständen wäre mir eine Einzelhaltung lieber.

Sobald die Kaninchen aber echten Auslauf haben, wo man sich auch mal aus dem Weg gehen kann, sind Kaninchen sehr glücklich zu zweit, auch wenn es da immer einmal kleine Rangeleien geben kann.

In unserem Fall leben die Häsinnen mit einem Kastraten tagsüber im großen, mobilen Freigehege. Nachts hat aber jeder seinen eigenen Schlafstall, weil er sie im kleineren Nachtstall nach ca. einem halben Jahr zu sehr belästigt hat. Was im Freigehege wunderbar harmoniert, muss auf einem Quadratmeter noch lange nicht funktionieren.

Mit viel Auslauf ist es in jedem Fall für ein Kanichen schöner mit einem anderen Kaninchen zusammenzuleben. Dabei spielt die Kaninchenrasse übrigens keine Rolle. Wichtig ist einzig, dass alle Rammler in Gruppenhaltung kastriert sein müssen. Nicht nur um ungewünschten Nachwuchs zu verhindern, sondern weil es sonst mit der Gruppenhaltung meist nicht klappt. Am besten ist eine Frühkastration. Denken Sie daran, dass einem Rammler nur wenige Sekunden reichen um sich fortzupflanzen.  Bedenken Sie bitte auch, dass das Verhalten eines unkastrierten Rammlers (auch in Minigröße) auf ein Kind recht verstörend und beängstigend wirken kann. Rammler gehen nicht gerade zärtlich oder zimperlich ans Werk, sondern beißen sich beim Akt gern fest.

Nun fragen Sie sich vielleicht, wie das Züchter mit ihren Rammlern machen? Sind wir Heuchler? Ja, in gewisser Weise schon. Zuchtrammler sitzen allein. Auch bei uns. Und egal wieviel mehr Aufmerksamkeit er von uns auch bekommt, er wäre unter Artgenossen glücklicher. Außerdem berammeln Rammler irgendwann auch den Bezugsmenschen und zwar ständig. Ich bin ehrlich, das wöllte ich nicht in der Wohnung haben. Nach zwei bis drei Jahren werden dann unsere potenten Rammler auch kastriert und entweder zu unseren Häsinnen gesetzt oder zu einem Partnertier vermittelt. Als Liebhabertiere sind folgende Kombinationen sinnvoll:

kastrierter Rammler und kastrierter Rammler

kastrierter Rammler und Häsin

In der Liebhaberhaltung sollten die Halter allerdings auch bei Häsinnen über eine Kastration nachdenken. Viele Häsinnen werden hormonell bedingt hitzig, das heißt wünschen sich Nachwuchs, und reagieren dann doch oft recht unberechenbar, kratzbürstig, manchmal auch bissig und unsauber. Sicherlich ist eine Kastration bei einer Häsin ein größerer und nicht ganz risikofreier Eingriff, der in der Liebhaberhaltung über ein langes Kaninchenleben aber sicherlich viele Vorteile für Halter und vor allem auch die Häsin bringt.

Kaninchenhaltung mit Elektrozaun

Ein gut harmonierendes Paar aus Kastrat und Häsin. Er akzeptierte auch problemlos ihren Nachwuchs im Alter von 6 Wochen und überhaupt läuft alles sehr entspannt. Aber auch für uns als Halter ist noch Platz in dieser Kaninchenbeziehung.

Mini Lop Rassemerkmale

Er sieht nicht nur sehr typvoll aus, er ist ein echter Rammler. Egal wie lieb er sich oft gibt, ein Kuscheltier fürs Kinderzimmer ist ein potenter Rammler nicht.

 

Pflege der Kaninchen

Neben der 2x täglichen Fütterung schauen wir immer auch ob es den Kaninchen gut geht und sie mit Appetit fressen. Kommen die Kaninchen nicht gleich neugierig und hungrig angehoppelt, wäre das für mich ein schlechtes Zeichen. Nebenbei gucken wir auch nach den frischen Kötteln. Ihre Form ist ein guter Indikator dafür, ob alles in Ordnung ist. Beim 2x täglichen Umsetzen der Kaninchen von den Stallboxen ins Freigehege  und den dazugehörigen Streicheleinheiten schauen wir auch immer kurz mit nach, dass der Popo sauber und am Hinterteil nichts verschmutzt, verklebt oder verkrustet ist, was prinzipiell auf eine Störung bzw. im wiederholten Falle auf eine Krankheit hindeutet.

Einmal wöchentlich wird die Stallbox gereiningt, d.h. durchnässte Strohpellets und Kot entfernt und durch frische Einstreu ersetzt. In den Pullerecken nutzen wir Pellets, im restlichen Stall eine Schicht aus Stroh und Sägespänen.

Gerade im Sommer sollte die Kot-und Urinecke sehr sauber gehalten werden, da sich dort sonst Fliegenmaden breit machen können, was nicht nur eklig sondern auch gefährlich für die Kaninchen werden kann, wenn sich die Maden bei ihnen meist in der Afterregion in die Haut bohren. Ich selbst habe mit damit keinerlei Erfahrung bei meinen Kaninchen, aber mir wurde schon davon berichtet.

Trotzdem sollten Kaninchen nicht zu "steril" gehalten werden. Bei uns wird ihr Futter nicht abgewaschen und die Stallbox wird beim wöchentlichen Ausmisten auch nicht desinfiziert oder ausgewaschen. Wir verabreichen auch prophylaktisch keine Wurmkuren. Obwohl ich kein Freund von achtbeinigen Insekten bin, freue ich mich über jeden Ganker und jede kleine Spinne, die sich an der Decke der Stallbox häuslich eingerichtet hat, weil diese der beste Insektenschutz für unsere Kaninchen sind. Unsere Kaninchen dürfen auch auf der noch vom Morgentau nassen Wiese hoppeln und fressen auch das nasse Gras ohne jemals Durchfall bekommen zu haben. Ich glaube nicht, dass es den Kaninchen gut tut, Keime und Parasiten im Umfeld der Tiere zu bekämpfen ohne sichtliche Erkrankung der Tiere.  Weniger ist hier manchmal mehr.

Einmal wöchentlich werden unsere Kaninchen auch gebürstet und bekommen dabei gleich mit einen Fellcheck im Hinblick auf wunde Stellen und Parasiten. Sollten die Krallen zu lang sein, was bei viel Auslauf auf der Wiese selten ist, bekommen unsere Tiere auch noch die Krallen geschnitten. Das geht am besten zu zweit. Einer hält das Tier sicher auf dem Schoß während der andere ein Stück alten Gardinenstoff (Spitze) über den Fuß stülpt, so dass die Krallen durch das mit dem Stoff zurückgeschobene Fell gut sichtbar werden. Dann können sie mit einer Krallenschere etwas vor dem duchbluteten Teil der Kralle abgeschnitten werden. Wenn ich alleine bin, setze ich das Kaninchen manchmal auch auf einen Tisch und lege sein Füßchen auf die angeschaltete Taschenlampe des Handys, so dass die Krallen und deren durchblutete Teile gut sichtbar sind, bevor ich sie abknipse.

 

Kosten

Auch wenn ein Kaninchen oder besser natürlich zwei in der Anschaffung meist nicht so teuer sind, so sind sie als Liebhaber- und Schmusetiere für die Kinder doch alles andere als ein günstiges Hobby. Wer seine Kaninchen nicht mit frischem Grün aus dem eigenen Gartenanbau selbst versorgen kann, muss für hochwertiges Futter für zwei Tiere 1,50 Euro pro Tag rechnen. Auch die Kosten für Heu und Stroh können, aus dem Zooladen bezogen, schnell zu Buche schlagen. Hinzu kommt die meist kostenintensive, aber in jeder Hinsicht lohnenswerte Anschaffung eines größeren Auslaufs. Jährlich 2x ein Besuch beim Tierarzt zum Impfen gibt es natürlich auch nicht zum Nulltarif. Schließlich muss auch noch an die Urlaubsbetreuung und eventuelle zusätzliche Kosten dafür gedacht werden. Ein Kaninchen mag schnell gekauft und in einen handelsüblichen Stall gesetzt sein, aber soll dieses Hobby Mensch und Tier langfristig Freude bereiten, sollte man sich der nicht zu verachtenden laufenden Kosten bewusst sein. Der Zeitaufwand bemisst sich bei uns auf ca. eine Stunde täglich und am Wochenende mehr.

Mir anderen Worten: Der Goldhamster meines Sohnes ist a) VIEL günstiger im Unterhalt  b) weniger anspruchvoll im Pflegeaufwand   c) einfach in die Hand zu nehmen und recht posierlich  d) nicht so langlebig   e) einzeln zu halten   f) muss nicht kastriert oder geimpft werden   f) eben kein Kaninchen.

 
 

Das zahme Kaninchen

Sie sehen hier ein Jungtier beim Kuscheltraining. Ganz freiwillig sitz es da nicht. Es sieht aber doch recht entspannt aus, finde ich. Wir machen das in der Woche so drei bis fünf Mal. Hilfreich ist wie immer beim Trainieren mit Kaninchen die Gabe eines Leckerlis zur Belohnung.

Kaninchen Zähmen Mini Lop

Bevor wir uns über das Zähmen von Kaninchen unterhalten können, müssen wir uns zunächst darauf verständigen, was ein zahmes Kaninchen ist. Darunter haben meine Kinder und ich zum Beispiel immer noch sehr verschiedene Auffassungen. Sie möchten ein Kaninchen haben, das sie hochnehmen und auf dem Arm oder Schoß kuscheln können. Nur dann ist es für sie zahm. Es soll sitzen bleiben und sich streicheln lassen. Für mich ist ein Kaninchen zahm, wenn es zu mir kommt sobald es mich am Freigehege sieht, mich begrüßt, sich kurz streicheln lässt und niemanden beißt. Meiner Vorstellung von zahm entsprechen alle meine Tiere. Sie lassen sich von mir auch hochnehmen, aber nur widerwillig. Kooperation sieht anders aus, aber sie wissen, dass es manchmal sein muss und mit einem Leckerli belohnt wird.

Von meiner Erfahrung aus Kindertagen weiß ich, dass manche Kaninchen von Natur aus zahmer sind als andere. Manche Vertreter sind der menschlichen Zuneigung gegenüber sehr aufgeschlossen und andere eben nicht. Ich weiß auch, dass ich mich um die zahmen als Kind immer sehr gekümmert habe, die weniger zahmen wurden von mir irgendwann ignoriert. (Meine Großeltern waren im Kaninchenzuchtverein und so hat die Tiere meine Ignoranz sicher nicht gestört.) Das sieht aber bei einem nicht zahmen Liebhaberkaninchen in der Wohnung vielleicht schon ganz anders aus. Es ist schade, wenn ein Kind das Interesse am Tier schnell verliert, nur weil die Erwartungen an ein lebendiges Kuscheltier nicht erfüllt wurden. Nun hat sicher nicht jedes Kind (auch meine nicht) den Luxus meiner Kindheit, sich einfach das kuschligste Tier aus einer großen Zahl herauszusuchen.

Wenn Sie ein garantiert zahmes Kaninchen haben wollen, dann kaufen Sie kein Jungtier. Schauen Sie sich nach Kastraten beim Züchter oder in der privaten Vermittlung um und testen Sie einfach direkt, ob das Tier Ihrer Vorstellung von zutraulich entspricht. Nach meiner Erfahrung wird ein scheues Kaninchen auch mit viel Training nicht wirklich zum Kuschelhasen. Vielleicht hatte ich aber auch nie genügend Geduld oder Zeit dafür. Ich lasse mich gern vom Gegenteil überzeugen. Es gibt Züchter, die mit besonders zahmen und verschmusten Jungtieren werben und dazu Fotos von anscheinend sehr brav auf der Hand liegenden Jungtieren einsetzen. Das ist legitim, aber seien Sie gewiss, dass jedes bis zu 7-8 Wochen alte Jungtier auf Laien zahm wirkt. Das liegt daran, dass sich die Kleinen noch nicht wehren können. Spätestens ab einem Alter von 12 Wochen entpuppt sich dann der wahre Charakter des Tieres. Gerade im  Alter von 4-5 Monaten, wenn besonders die Häsinnen geschlechtsreif werden, wird aus so manchem noch recht zahmen Kaninchen besonders bei nicht optimaler Haltung eine recht bissige Kratzbürste. Kaninchen sind von Haus aus keine Kuscheltiere wie Hunde oder Katzen.

Viele der Züchter, die ich kennenlernen durfte, sprachen sowieso selten vom zahmen Kaninchen. Für sie musste ein Tier auf einer Schau präsentabel sein und dafür haben sie regelmäßig trainiert. Das Kaninchen wurde regelmäßig vom Züchter hochgenommen, so hingesetzt, dass der Typ am besten sichtbar wurde und in dieser Position gehalten. Was soll ich sagen, das Training hat bei den meisten Tieren Wirkung gezeigt. Sie ließen sich hinsetzten und streicheln, auch wenn sie es nicht immer genossen haben, so haben sie es doch geduldig ertragen.

Es bleiben also zwei Wege, ein junges Kaninchen zu zähmen:

1) Sie glauben an die Theorie des gegenseitigen Vertrauens und erreichen mit viel Geduld und Leckerlies, dass das Kaninchen langsam zahm wird und freiwillig kommt, um sich kuscheln zu lassen. Entscheidend ist dabei, dass Sie natürlich alle Handlungen unterlassen, die dem Kaninchen Angst machen. Ich habe solche Fälle selbst erlebt, mit wie gesagt schon von Natur aus sehr verschmusten Tieren, bzw. mit Kaninchen bei Leuten, die meist nur ein Einzeltier halten und abends mit ihm beim Fernsehen auf der Couch sitzen. Das soll nicht ironisch klingen.

Es muss aber auch gesagt werden, dass es manchmal als Tierhalter nahezu unmöglich ist, alles zu vermeiden wovor das Kaninchen mit Fluchtinstinkt und Angst reagiert. Sie werden es hin und wieder zum Tierarzt bringen müssen und manchmal vielleicht auch kurz hochheben, bevor Sie das mit ihrem neuen Kaninchen ausgibig solange üben konnten, bis es davor gar keine Panik mehr hat.

2) Sie haben das Gefühl, dass Ihr Jungtier eventuell nicht zu den von Natur aus ganz verschmusten 5% gehört und ihre Geduld und auch die ihres Kindes an ihre Grenzen stößt. Dann versuchen Sie es vielleicht doch mit der Variante meiner Großeltern und trainieren mit Ihrem Kaninchen das Sitzenbbleiben und Sich-Streicheln-Lassen. Dabei wird zumindest kein Vertrauen zerstört, welches noch nicht da war. Ja Kaninchen sind furchtsam, aber auch recht anpassungsfähig, im Besonderen wenn ihr Verhalten durch einen Leckerbissen belohnt wird. Wichtig hierbei ist ein selbstbewusstes Agieren mit dem Kaninchen. Gerade unerfahrene Kaninchenhalter sind oft ängstlich und überfordert, wenn Sie ihr Kaninchen einmal hochheben müssen bspw. um es in eine Transportbox zu setzen. Viele kleinwüchsige Mini Lop können wie Jungtiere in der Körpermitte mit beiden Händen angehoben werden, um sie kurz umzusetzen. Die im Internet oft vorgestellte Variante mit der einen Hand unter den Po schieben und der anderen von vorn stabilisieren geht bei Jungtieren und schon sehr zahmen Tieren auch, bei allen anderen, gerade halbwüchsigen Tieren ist das meiner Erfahrung nach aussichtslos. Das Tier wird Ihnen gekonnt nach oben wegspringen. Manche Tiere greift man am sichersten im Nacken um sie zu fixieren (nicht damit hochheben) und hebt sie dann mit der anderen Hand von unten an. Wenn Sie das Tier ein Stück tragen müssen, dann am besten leicht gegen die eigene Brust gedrückt und weiterhin am Po und im Nacken gehalten. Natürlich werden die meisten Kaninchen zunächst darauf mit angstgeweiteten Augen und zum Teil strampelnd reagieren. Das ist ganz normal. Üben Sie mit ihrem Kaninchen wenn Sie wollen, dass es dabei ruhiger wird, täglich ein bisschen, aber nur kurz und halten Sie direkt im Anschluss ein besonderes Leckerli bereit. Frisst ihr Kaninchen dies auch sofort, ist es ein Zeichen dafür, dass sich der Stress doch in Grenzen gehalten hat, was in der gewohnten Umgebung auch meist der Fall ist.

Ich habe mit beiden Varianten schon ausgiebig getestet. Wir haben wie gesagt mehrere Tiere in Außenhaltung und bei einem Familienleben mit Beruf und drei Kindern hat niemand von uns die Zeit, sich 6 Stunden am Tag zu den Kaninchen zu setzen. Die Variante 1 hat meine Kinder bisher nicht so recht weitergebracht. Die Tiere sind für meine Definition zahm, für meine Kinder aber nur einer. Und das ist nicht irgendwelchem Training zu verdanken, sondern einzig seinem Naturell. Zur Zeit übe ich mit unseren Tieren eher nach Plan 2.

Wenn ich also von einem handzahmen Jungtier spreche, dann rede ich von einem Tier, das angehoppelt kommt, sobald man sich dem Stall oder Freigehege nähert und sich hochnehmen lässt, auch wenn ihm das nicht gefällt. Ich rede von einem Tier, das vom Besitzer mit der Hand unter Kontrolle gebracht werden kann und mit dem man im großen Freigehege abends nicht Fangen spielen muss. Ich meine ein Tier, das meine Kinder oder mich noch nicht gebissen hat. Bei einem Jungtier müssen Sie sich von Ihrem Gefühl leiten lassen. Wenn Sie denken es guckt nicht lieb, dann lassen Sie es. Ein Leben mit einem Kaninchenpartner, der dann nicht Ihre Erwartungen erfüllt, kann sonst sehr anstrengend sein. Eventuell hilft es aber auch im Vorfeld, seine Erwartungen an ein zahmes Kaninchen etwas herunterzuschrauben. Oder Sie können so ein Couchkaninchen, von dem ich oben schon geschrieben habe, übernehmen.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich jetzt noch Jungtiere verkaufe, aber das ist ja eine Hobbyseite.

Gerade bei der Aufzucht von Jungtieren ist es wichtig, dass sie an den täglichen Umgang mit Menschen, streichelnden Händen und auch an das Hochheben gewöhnt werden. Durch eine zahme Kaninchenmuttter und den frühen Kontakt zum Menschen erfahren meine Minis eine gute Startsozialisierung. 

Die Vergesellschaftung von erwachsenen Kaninchen (mindestens 16 Wochen alten Tieren)

Informationen zur Vergesellschaftung von Jungtieren finden Sie auf unserer Abagbeseite unter Eingewöhnung

Wie bereits an anderer Stelle schon beschrieben, konnte ich zur Vergesellschaftung von Kaninchen nicht aus einem großen Erfahrungschatz schöpfen, weil in den mir bekannten Rassekaninchenzuchten meiner Kindheit die Tiere natürlich alleine in Einzelboxen saßen. Die Vergesellschaftung einer neu zugekauften jungen Zuchthäsin stellte uns daher vor eine gewisse Herausforderung, der wir aber zuversichtlich entgegensahen, da doch bei anderen Züchtern viele Mädelsgruppen erfolgreich bestehen. Meine erste Hoffnung, sie nach der Quarantäne im Alter von 16 Wochen mit in das umgestellte 35qm große Freigehege mit vielen Versteckplätzen zu setzten, scheiterte.

Vermeintlich hatten wir doch alles richtig gemacht.

1.Wir hatten das Freigehege an einem neutralen Ort, das heißt auf einer bis dato nicht benutzten Rasenfläche aufgestellt.

2. Wir hatten für viel Ablenkung durch Futter und Haufen aus abgeschnittenen Zweigen zum aus dem Weg gehen gesorgt.

3. Alle Tiere (eine vorhandene Häsin, ihr Partnerkastrat sowie die Junghäsin) wurden zeitgleich umgesetzt.

Es passierte genau das, was überall beschrieben steht: die Kleine wurde gejagt, sie floh, versteckte sich geschickt und blieb dort den ganzen Tag hocken. Sie traute sich kaum hervor und es kam auch nach 5 Tagen zu keiner "Gruppe", keiner Integration, würden wir sagen. Ich habe sie dann da rausgenommen, vier Wochen gewartet und es nach meinem Bauchgefühl dann wie folgt neu probiert.

Ich habe mich versucht in den 4 Wochen Bedenkzeit so gut wie möglich in die Kaninchenpsyche einzudenken. Warum sollte ein gut funktionierendes Pärchen auch in einer neuen Wohnung eine fremde junge Häsin wollen? Es gibt dafür keinen Grund, auch aus menschlicher Perspektive nicht. Mein Mann und ich stünden einer plötzlichen Lebensgemeinschaft zu dritt mit einer weiteren Frau nicht aufgeschlossener gegenüber nur weil wir plötzlich  mit ihr in einem Haus am Meer wohnen. Ich glaube nicht, dass es die Veränderung der Lebenswelt allein ist, die Kaninchen untereinander und Menschen näher bringt, sondern eine komplette Veränderung der Lebensumstände. Eine Umgebung, in der sich die Kaninchen nicht ganz wie zu Hause fühlen, sondern leicht verunsichert und abgelenkt sind, schien mir vielversprechender. Mein Mann und ich würden auch eher in Betracht ziehen, eine neue Bekannte mit bei uns wohnen lassen, wenn wir mit ihr aus einer Notsituation heraus schon mal unser Zelt hätten teilen müssen und gewisse Umstände dies halt erfordern würden. Ich habe also die Kanichen in unserem acht Quadratmeter großen Bad mit viel Futter und kleinen Hindernissen zusammengebracht. Das lief zwar mit den üblichen Jagereien ab, aber die Junghäsin konnte sich nicht mehr so weit entziehen, dass sie der Vergesellschaftung aus dem Weg gehen konnte. Sie musste sich der Situation stellen (wir haben sie danach Mulan getauft). Es ist viel Fell geflogen und wenn es zu viel wurde, hat einer aus der Familie das Wasser der Dusche angedreht um die Tiere abzulenken. Wir waren abends alle sehr sauber und die Kaninchen müde.

Über die Nacht habe ich sie dann draußen in einen kleinen mobilen Doppelauslauf von ca. vier Quadratmeter gesetzt. Da es im Bad zu keinen Verletzungen gekommen war und ich ein gutes Gefühl hatte, hielt ich die Verkleinerung der Umgebung zu diesem Zeitpunkt für notwendig. Menschen in engen Flugzeugen, Booten etc. rücken auch enger zusammen, wenn es die Umstände erfordern. Am nächsten Morgen saßen drei Kaninchen eng zusammengekuschelt im Gehege. Es gab weiterhin über den nächsten Tag verteilt immer mal wieder noch Jagereien, aber doch sehr vereinzelt. Am dritten Tag habe ich sie alle in den widerum neu platzierten großen Auslauf von 35 qm gesetzt und da wurde dann weitere vier Tage lang die Rangordnung durch Berammeln geklärt. Jetzt sind die drei eine Gruppe. Das heißt, dass sie nicht nur zusammensitzen und sich gegenseitig nichts tun, sondern dass sie gegenseitige Beziehungen pflegen, durch gegenseitiges Abschlecken, Kuscheln, Spielen und natürlich auch gleichzeitiges auf mich zu Stürmen, sobald ich mich dem Gehege nähere.

Ich möchte hier nicht dafür werben, die Vergesellschaftung von Anfang an in einer Kiste auf der Rückbank des Autos während einer sehr langen Überlandfahrt zu planen, aber die Kaninchen müssen als Gruppe schon ein wenig zur intensiveren Auseinandersetzung mit dem jeweils neuen Tier gezwungen werden. Den Raum der Vergesellschaftung dazu langsam zu verkleinern, schien mir dabei sehr hilfreich.

Mittlerweile leben die Kaninchen über Nacht wieder ein jedes in seiner Box und die Junghäsin wird jetzt nach der Vergesellschaftung jeden Morgen im Außengehege als  Mitglied der Gruppe begrüßt, auch wenn die Beziehung der von Kindesbeinen aneinander gewöhnten Kaninchen enger ist als zu ihr. Wenn Sie Kaninchen vergesellschaften wollen, dann denken Sie sich etwas in ihre Situation hinein. Zwei Paare lassen sich oft leichter vergesellschaften und meist ist auch die Vergesellschaftung von zwei Einzeltieren unproblematischer.

Vergesellschaftung Kaninchen Mini Lop Bilder
Bilder Mini Lop Haltung
Vergesellschaftung Kaninchen

Die ersten beiden Bilder in unserem Bad zeigen die Tiere deutlich erschöpft nach mehreren Jagereien. Man sieht, wie die kleine Junghäsin der Farbe Thüringer auf Bild 2 immer noch abseits der Gruppe steht. Eine echte Vergesellschaftung hat trotz der Rangeleien nicht statt gefunden. Auf dem 3. Bild, aufgenommen am Morgen nach der Nacht auf engerem Raum, ist die Häsin dagegen integriert. Erst nach der Integration jedoch kam es dann zur Klärung der Rangordnung durch wechselseitiges Berammeln aller Gruppenglieder. Für mich bedeutet das, dass die anfänglichen Jagereien nichts mit der Klärung einer Rangodnung zu tun haben, sondern dazu dienen sollen, jeden ungebetenen Gast zu vertreiben oder auszugrenzen.