Zur Anschaffung von Kaninchen

Kaninchen, und ganz besonders natürlich deren Jungtiere, sind sehr niedlich anzuschauen und vermitteln den Eindruck ideale Kuschel- und Streicheltiere zu sein. Das sind sie bei artgerechter Haltung nicht! Werden Kaninchen als Paar oder Gruppe gehalten und haben dazu den entsprechend großen Auflauf entziehen sie sich auch gern der Zuneigung ihres Besitzers und sind dann eher Beobachtungs- als Kuscheltiere. Sie verhalten sich dann in der Regel nicht wie eine Katze oder ein Hund,  wobei es natürlich Ausnahmen gibt, die die Regel bestätigen. Als echte Spielgefährten für ein Kind, sind Kaninchen daher eher ungeeignet und das ist auch der Grund, warum Kinder recht schnell das Interesse an Kaninchen verlieren. Überlegen Sie daher vor der Anschaffung bitte, welche Eigenschaften das neue Haustier mitbringen muss, um dauerhaft einen Platz in ihrem Leben und dem ihrer Kinder zu haben. Viele Kinder wünschen sich eigentlich einen Hund und bekommen dann als vermeintlich bessere Alternative Kaninchen geschenkt. Das kann nicht gut gehen. Ich rate generell davon ab, Kindern ein Haustier zu schenken. Ich glaube, dass man die Kinder eher in das eigene Hobby mit hineinwachsen und sie daran teilhaben lassen sollte. Wenn Sie als Eltern also vernarrt in Kaninchen sind, dann schaffen Sie sich die Tiere an und beziehen sie das Kind mit ein. Natürlich können Sie die Idee Wir schaffen uns ein Haustier an als Geschenk verpacken, aber es sollte ein Familienprojekt sein zumindest bei Kindern bis ins Grundschulalter. Kaninchen werden entweder Ihren Wohnraum oder Ihre Gartenfläche oder beides sehr mit in Beschlag nehmen und damit sollten alle Familienmitglieder einverstanden sein.

Ist Ihre Entscheidung für Kaninchen als Haustiere bewusst gefallen, kommen eine Menge Arbeit und nicht unerhebliche Kosten auf Sie zu. Ein Hund kostet in der Anschaffung vielleicht 1500 Euro und ein Kaninchen nur etwa 50,- aber der Schein trügt. Kaninchenhaltung ist nicht günstig und fordert auch Pflegezeit. Ein artgerechtes Kaninchenzuhause für zwei Tiere kostet, soll es sich um eine langfristige, praktische, saubere und auch optisch ansprechende Lösung handeln, schnell über tausend Euro. Das Sammeln von frischen Kräutern, Gräsern und Zweigen zum Zahnabrieb braucht auch eine gewisse Zeit, die man nicht als Last empfinden sollte.

Die Wohnungshaltung scheint mir nach dem Erfahrungsaustausch mit einigen Haltern dabei noch die kostengünstigere Alternative, wenn den Kaninchen ein ganzes Zimmer oder der Balkon zur Verfügung gestellt wird. Bei dieser Haltung braucht es nur ein oder zwei Schlafplätze sowie Toiletten am besten mit integrierten Fressinseln. Die Anschaffung eines Freilaufs und die aufwändige Sicherung gegen Feinde entfällt. Man muss lediglich darauf achten, dass keine Stromkabel in Nagenähe sind und für viel Nagebeschäftigung durch frische Zweige sorgen, damit die Einrichtung nicht zu sehr leidet. Kaninchen sind recht reinliche Tiere und nach einer gewissen Eingewöhnungsphase werden sie praktisch stubenrein. Die handelsüblichen Käfige mit Plastikboden, sind nur als Rückzugsorte einsetzbar und für die Haltung von ein oder zwei Tieren ohne Auslauf völlig ungeeignet. Es mag richtig sein, dass Kaninchen klassisch in kleinen Buchten gehalten wurden, aber das mussten sie auch nur sechs Monate bis zur Schlachtreife aushalten und kein ganzes langes Kaninchenleben.

Was die Wohnungshaltung anbelangt, bin ich allerdings kein Experte. Bei uns leben die Kaninchen ganzjährig draußen. Nachts in größeren Doppelstallboxen und tagsüber als Gruppe im 35 qm Freigehege (siehe Haltung). Es funktioniert gut, obwohl die Pflege an eisigen dunklen Wintertagen oder im grauen Novemberregen schon mal etwas ungemütlich sein kann. Der größte Nachteil der Außenhaltung ist in jedem Fall die kostenintensive Anschaffung eines geeigneten und ausreichend großen Geheges, die oft von unerfahrenen Haltern und vom Personal des Zooladens komplett unterschätzt wird. Der größte Vorteil liegt meiner Meinung nach im geringeren Reinigungsaufwand und für die Kaninchen in einer Haltung, die ihnen das Grasen, Buddeln und die Stärkung des Immunsystems ermöglicht.

Die für mich ideale Lösung eines Außengeheges stellt ein eigens für die Kaninchengruppe zur Verfügung stehendes Gartenhäuschen mit angrenzendem Freigang dar. Ist ein solches bereits vorhanden und wird es nicht mehr als Aufbewahrung für Rasenmäher & Co gebraucht, sollte man diese Variante ernsthaft in Betracht ziehen. Auch ein nicht mehr genutzter Keller mit angrenzendem Freigang kann eine sinnvolle Lösung sein. Kaninchen brauchen eine trockene vor Sonne, Regen und Wind geschützte Unterkunft. Mit großer Kälte haben Kaninchen keine Probleme, aber ein Hitzestau muss durch die Lage des Geheges ausgeschlossen sein! Scheuen Sie den Neubau eines Gartenhäuschens, kommen gekaufte oder selbst gebaute Ställe in Frage, die man aber fast alle noch durch zusätzliche Isolierung mit Dachpappe und Blech gegen Wind und Nässe schützen muss. Bei uns stehen die Boxen unter einem großen Carport, das nach zwei Seiten zudem geschlossen ist. Verwenden Sie einen Holzstall so muss dessen Boden nach unten zwingend isoliert werden, so dass keine Nässe durch Urin in das Holz eindringen kann. Auch diese Isolierung ist noch nicht bei allen gekauften Ställen vorhanden. Hier sollten Sie in der Nachrüstung sehr penibel sein und keine Kosten scheuen. Wir benutzen Teichfolie 1mm dick die rundherum 10 cm hochgezogen ist und nur hinten einen Spalt zum Abfließen des Urins offen lässt. Darauf kleben wir noch eine Schicht Dachpappe, damit die Kaninchen und die Streu nicht wegrutschen. Wir haben auch einen Stall mit Kotwannen, die ich persönlich jedoch nicht so mag, wie die nach hinten offene Variante. Die Dachpappe wird von uns nicht bis ganz an den Rand geklebt sondern lässt noch einen  ca. 8cm Folienstreifen frei, von dem sich Kotverunreinigungen besser wegwischen lassen. Diese Isolierung von außen und innen auf den Böden führt zu einem erheblichen Mehrgewicht, so dass solche Ställe dann nicht mehr wirklich variabel sind. Ohne ein wenig handwerkliches Geschick bekommt man kaum einen käuflichen Stall witterungsbeständig und für die Außenhaltung geeignet. Von den Kosten dafür ganz zu schweigen.

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Gebraucht gekaufte Ställe sollten intensiv mit einem Hochdruckreiniger oder mit Kraftaufwand und einer Bürste gereinigt, dann desinfiziert, dann nochmals gereinigt und eventuell mit Kalkfarbe gestrichen werden (wir benutzen Baufan Kalkanstrich, der immer wieder überstreichbar ist). Kaninchen, die in solchen Stallanlagen oder Boxen gehalten werden, brauchen noch zwingend die Möglichkeit eines täglichen großen Freilaufs. Volieren und Zäune sind, sollen sie optisch ansprechend sein, sehr teuer und außerdem nicht variabel. Die Stelle wird über kurz oder lang verschmutzen und ihren Rasen verlieren. Die kleinen flexiblen Freigehege sind eigentlich zu klein, aber deren größter Nachteil ist, dass sie mit 60 cm fast immer zu niedrig sind. Kaninchen, auch kleine, schaffen das easy. Also muss auch zum Schutz vorm Überspringen und Nachbars Katze ein Sicherungsnetz drauf. Gut und schön, aber jetzt kommen Sie und die Kinder nur noch kriechend und in sehr unbequemer Haltung an die Kaninchen ran. Auch eher ungünstig. Achten sie bei allen Ställen generell darauf, dass sie in einer Höhe liegen, die es Ihnen ermöglicht lange und bequem davor bzw. darin zu stehen. Es ist ein Hobby und will man Freude daran haben, muss es wirklich praktisch, bequem und schön sein - der ganze Stolz eben. Wir haben uns daher für die Anschaffung eines großen Elektronetzes als Freilaufbegrenzung entschieden und finden diese Lösung immer noch toll. Ja das Netz muss alle 4 bis 8 Wochen versetzt werden, ja man braucht ein Stromkabel dahin und auch ja, wir müssen jedes Kaninchen zwei Mal pro Tag im Weidenkorb hin und her tragen. Dafür werden wir mit dem Blick auf unsere eigene Savanne belohnt. Die Kaninchen kommen meist freiwillig nach einem Tag draußen in den großen Weidenkorb, besonders weil da ein Leckerli wartet. Unsere Urlaubsbetreuung fand diesen Teil der Pflege allerdings doch eher anstrengend. Sie sehen, die Außenhaltung ist sehr viel teurer und aufwendiger und will gut duchdacht sein bevor die Kaninchen einziehen. Sparen sie anfangs an der falschen Stelle, so wird es einfach im Nachhinein ärgerlich, führt in der Familie zu Streit oder zumindest schlechten Schwingungen oder wird dann richtig teuer.

Einige Kaninchenliebhaber meinen, dass es für zwei Zwergkaninchen doch reichen müsse, sie in einer Box von 80x 120 zu halten, so wie das die Großeltern doch auch gemacht haben und noch viele Kaninchenzüchter im Zuchtverein auch weiterhin tun. Der entscheidende Unterschied liegt in der Liebhaberhaltung im Gegensatz zur Rassekaninchen bzw. Schlachtkaninchenzucht. Ein Kaninchen als Haustier muss anders gehalten werden als ein Nutztier, weil es a) viel älter wird  b) Freude bereiten soll  und c) weil der Halter sonst gegen das Tierschutzgesetz (u.a. siehe §1,3, 17) verstößt. Ein Kaninchen auf Dauer ohne die Möglichkeit zum Auslauf zu halten oder eine Kaninchengruppe auf zu kleinem Raum einzusperren, heißt den Tieren schweres vermeidbares Leiden zuzufügen und Verletzungen billigend in Kauf zu nehmen.

Wir sind Halter von Liebhaberkaninchen und möchten unsere Abgabetiere ebenfalls als solche untergebracht wissen. Wir verlangen nicht mehr, aber auch nicht weniger.