Kaninchenseuchen vorbeugen

Jeder der sich mit Kaninchenhaltung befasst, sieht sich alsbald mit dem Thema Schutzimpfungen gegen die gängigen Kaninchenseuchen konfrontiert. Daher möchten wir an dieser Stelle einen kleinen Einblick in die häufigsten Infektionskrankheiten bei Kaninchen und deren Ursachen sowie natürlich auch in den Schutz unserer Lieblinge vor dieser Gefahr geben.

Die häufigsten Seuchen

1. Die Myxomatose - auch Kaninchenpest genannt

Es handelt sich um eine je nach Witterung hoch ansteckende Viruserkrankung, die beim nicht durch eine regelmäßige Impfauffrischung geschützten Kaninchen in 99% der Fälle zum Tod führt.

Das Myxomatosevirus wurde 1950 und dann nochmals 1952 in Australien gezielt gegen die große Kaninchenplage auf diesem Kontinent eingesetzt, wodurch die australische Kaninchenpopulation von geschätzten 600 Millionen Tieren auf 100 Millionen reduziert werden konnte. Doch wie kam das Virus nach Europa? Man mag es kaum glauben, aber auch hier wurde es bewusst zur Bekämpfung von Wildkaninchen eingeschleppt. Dafür verantwortlich soll ein gewisser Franzose namens Prof. Dr. Armand Delille sein, was einmal wieder beweist, was Prof. Dumbledore schon so treffend formulierte: "Genau genommen sind meine Fehler, da ich - verzeih mir - eher klüger bin als die meisten Menschen, in der Regel auch entsprechend größer." Monsieur Delille war nicht gewillt seinen Landsitz 100km südlich von Paris mit so vielen Wildkaninchen zu teilen und importierte sich daher kurzerhand auch einen Stamm des hochgradig gefährlichen Myxomatosevirus, womit er 1952 zwei der ansässigen Wildkaninchen infizierte. Die von ihm erhoffte Wirkung war so erfolgreich, dass sich diese Methode schnell in ganz Europa verbreitete. Aus diesem Grund werden unsere Äcker nach wie vor nicht von Kaninchen leer gefressen, denn das Virus hält den Bestand der Wilkaninchen immer noch sehr klein. Der offensichtliche Nachteil dieser Biowaffe gegen das Wildkaninchen ist, dass sie genauso verheerende Wirkung auf unsere Hauskaninchen hat.

Übertragung der Myxomatose:

Das Myxomatosevirus kann sowohl direkt durch Kontakt mit bereits infizierten Kaninchen als auch indirekt durch Parasiten wie Stechmücken, Flöhe und Fliegen bzw. auch über mit dem Virus kontaminiertes Futter übertragen werden. Ohne Zweifel sind Tiere in Wohnungshaltung weniger gefährdet, aber auch sie haben oft Freilauf an der frischen Luft, wodurch eine Infektion gerade in der warmen feuchten Jahreszeit nicht auszuschließen ist.

Verlauf der Myxomatose:

Nach einer Inkubationszeit von bis zu 9 Tagen zeigen sich die erkrankten Tiere apathisch mit eingeschränktem Appetit und Durst. Die Körperöffnungen schwellen stark an, meist an den Augen beginnend mit Syptomen einer eitrigen Bindehautentzündung. Die Schwellung erfasst dann den gesamten Kopf und führt zu einem sogenannten "Löwenkopf". Die Tiere erliegen ihrem Leiden nach etwa 7-14 Tagen. Eine Heilung durch den Tierarzt ist meist aussichtslos, da die Krankheit meist tödlich verläuft. Ein Tierarzt kann lediglich das Leiden des Tieres lindern. Tiere mit Verdacht auf Myxo daher bitte schnell zu einem Tierarzt bringen (mit Einweghandschuhen anfassen und in einem Karton transportieren bzw. Transportbox im Anschluss komplett desinfizieren). Der Tierarzt wird in der Regel das Tier vor einem langen Todeskampf bewahren und vorzeitig von seinem Leiden erlösen.

Vorbeugung:

Schutzimmunisierung durch einen geeigneten Wirstoff in Form einer Impfung des noch nicht erkrankten Tieres. Von den meisten Tierärzten empfohlen ab der 10. Lebenswoche eines Jungtieres. Manche Wirkstoffe brauchen dabei zwei Impfungen zur Grundimmunisierung im Abstand von 4 Wochen. Die meisten Präperate sind halbjährlich nachzuimpfen.

Nobivac: ab der 5. Lebenswoche einmalige Impfung und nur einmal jährlich laut Hersteller

Rika-Vacc Myxo oder Cunivac ab der 4. Lebenswoche (2 Impfungen zur Grundimmunisierung und dann halbjährlich)

In diesem Frühjahr ist ein ganz neuer Impfstoff auf den Markt gekommen - Nobivak Plus, der gegen alle drei hier genannten Seuchen wirken soll und außerdem nur 1x jährlich nachgeimpft werden muss und auch nicht geboostert wird. Er ist teurer als Einzelimpungen gegen RHD und Myxomatose, aber wir haben unsere Tiere alle erstmalig damit impfen lassen. Die Verträglichkeit war bei uns sehr gut.

Anmerkung in eigener Sache: Viele Experten bezweifeln die Sinnhaftigkeit der halbjährlichen bzw. jährlichen Nachimpfungen und stehen diesem engen Impfintervall der Hersteller kritisch gegenüber. Solange allerdings niemand eine Forschung finanziert, die einen ausreichend hohen Schutztiter auch nach längerem Impfintervall nachweist, werden verantwortungsvolle Züchter zumindest jährlich nachimpfen. Die von vielen Hobbyzüchtern probagierte Meinung, dass aufgrund des Impfschutzes der Mutter auch bei ihren Jungtieren ein Schutz gegen die hier genannten Seuchen bis zur 12. Lebenswoche besteht, entbehrt jeglicher wissenschaftlicher Grundlage! Zwar gibt es tatsächlich maternale Antikörper, welche die Jungkaninchen über das Kolostrum (Erstmilch) aufnehmen, aber es ist anzunehmen, dass dieser Schutz nur ca. 4 Wochen hält, nämlich bis zu dem Zeitpunkt ab dem manche Hersteller die Erstimmunisierung mit Ihrem Wirkstoff empfehlen. Jungtiere vor der 12. LW können sich sehr wohl anstecken, schwer erkranken und an den Seuchen sterben, aber es kommt außer bei RHD2 sehr selten vor. Aus diesem Grund reicht meist eine Impfung in der 10. Lebenswoche nach Meinung und Erfahrung unseres Tierarztes.

Desweiteren wird im Zusammenhang mit den Schutzimpfungen auf Ratgeberseiten im Internet häufig ein Test auf Kokzidien (siehe Häufige Krankheiten) empfohlen, weil die Immunantwort des Körpers auf den Impfstoff sonst bei einer Vorerkrankung nicht ausreichend hoch ist. Natürlich muss ein Kaninchen vom Tierarzt untersucht werden bevor es geimpft wird und es sollte dabei sicher gestellt sein, dass es nicht an einer Infektion leidet. Hat ein Jungtier tatsächlich die Krankheit Kokzidiose, das heißt zeigt sich sehr kümmerlich und mager, hat Verdauungsprobleme oder frisst schlecht, ist dies natürlich Anlass auf eine Kotprobe und Test auf Kokzidienbefall. Die manchmal propagierte Praxis bei gesunden Tieren generell auf Kokzidien zu testen, weil der Impfstoff sonst nicht wirkt, ist so nicht korrekt. Kaninchen, deren Körper bereits eine Immunität gegen Kokzidien aufgebaut haben und nicht geschwächt sind, reagieren sehr wohl mit einer Immunantwort auf den Impfstoff. Unserer Auffassung nach werden viel zu viele Kaninchen gegen Kokzidiose gekurt, ohne dass eine medizinische Notwendigkeit dafür besteht. Durch diesen inflationären Einsatz von Medikamenten kommt es natürlich viel schneller zu Resistenzen der Kokzidienstämme gegen die Wirkstoffe und dadurch natürlich zu einer insgesamt schlechteren Chance zur Behandlung ernsthaft an Kokzidiose erkrankter Kaninchen.

2. RHD1 und RHD2 oder auch Chinaseuche genannt

Es handelt sich um die sogenannte hämorrhagische Krankheit bei Wild- und Hauskaninchen, die wie die Myxomatose durch Viren ausgelöst wird. Wie die Myxomatose verläuft auch diese Infektion fast immer tödlich. Auch RHD kam dadurch als Biowaffe gegen Kaninchen zum Einsatz und die Krankheit kann nur durch eine entsprechende vorbeugende Schutzimpfung gegen beide Virenarten (RHD1 und RHD2) verhindert werden.

Übetragung der RHD Viren:

Die Viren sind auch unter extremen Bedingungen sehr lange überlebensfähig (viele Monate) und dadurch hochansteckend. Sie übertragen sich direkt von Tier zu Tier, aber auch indirekt über beispielsweise erregerhaltiges Grünfutter.

Verlauf bei RHD:

Die Krankheit verursacht innere Blutungen beim Kaninchen die manchmal zu diffusen äußerlich kaum sichtbaren Krankheitssymptomen wie Apathie und Fressunlust führen, manchmal aber auch ohne Vorwarnung zum Tod führen. Nicht selten versterben erkrankte Tiere innerhalb weniger Stunden sehr qualvoll nach einer Phase der Atemnot, mit Krämpfen und Nasenbluten. Jungtiere unter drei Monaten erkranken kaum an RHD und sind daher wenig gefährdet.

Vorbeugung:

Regelmäßige Impfungen der Kaninchen gegen beide Erregerstämme (RHD1 und RHD2).

Filavac: ab der 4. Woche mit Nachimpfung nach 6 Wochen oder ab der 10. Woche ohne Nachimpfen

              je nach Seuchendruck halbjährliches oder jährliches Impfintervall.

Eravac: wirkt nur gegen RHD2 (für diesen Fall müsste noch ein Kombipräparat gegen Myxo und RHD1 geimpft werden z.B. Nobivac Kombi mit doppelter Grundimmunisierung und halbjährlich)

Ganz neu: Nobivak Plus ab der 5. Lebenswoche 1x jährlich (schützt gegen RHD1&2 und gegen Myxomatose)

Bitte schützen Sie Ihr Kaninchen unbedingt gegen beide Erreger. Die noch weit verbreitete Meinung dass Tiere, die nur gegen RHD1 geimpft sind, die neuen RHD2 Stämme auch abwehren können, ist widerlegt.

Auch bezüglich der Impfungen gegen RHD 1 und RHD 2 nehmen viele Tiermediziner  inzwischen an, dass sicherlich ein größeres Impfintervall ausreichen müsste. Ich habe aber auch schon persönlich mit einer Züchterin gesprochen, die schon viele Tiere an diese Seuche verloren hat und sich sicher ist, dass erst seit sie konsequent halbjährlich impft, keine Tiere mehr daran verstorben sind.

 

Wir verkaufen unsere Jungtiere im Alter von 8 Wochen prinzipiell ungeimpft und bitten alle Adoptiveltern unserer Nachwuchsminis die Impfung gegen oben beschriebene Seuchen bis zur 10. Lebenswoche beim Tierarzt zu veranlassen. Bei diesem Termin kann auch gleichzeitig ein Termin zur Frühkastration der Rammler gemacht werden.

Warum verkaufen wir unsere Minis ungeimpft?

Kaninchenbabies sind sehr stressanfällig. Wir lehnen es ab, mit erst 4 Wochen alten Jungtieren zum Tierarzt zu fahren. Im Gegensatz zu vielen anderen Hobbyzüchtern impfen wir unsere Tiere nicht selbst mit importierten Impfstoffen, sondern lassen unsere Tiere alle halbjährlich vom Tierarzt untersuchen vor einer Impfung. Außerdem sind ganz kleine Jungtiere keine Risikogruppe für die genannten Seuchen, so dass eine Impfung zum späteren Zeitpunkt unserer Erfahrung nach völlig ausreichend ist. (An dieser Stelle muss ich aber auch zugeben, dass wir persönlich noch nie eine der hier besprochenen Seuchen in unserer Anlage hatten.) Zu diesem späteren Zeitpunkt haben sich unsere Abgabeminis in den neuen Familien meist schon sehr gut eingelebt und sind deutlich weniger anfällig für Stress. Die neuen Besitzer tragen damit die komplette Verantwortung für Ihren kleinen Schatz und das wäre auch nicht anders, wenn wir die Kaninchen bei uns grundimmunisieren würden, da die Impfungen ja sehr regelmäßig aufgefrischt werden sollten, genauso wie unsere Grippeimpfung beim Menschen. Außerdem hat so der zukünftige Kaninchenhalter die Möglichkeit, sich für den Impfstoff seiner Wahl mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen und Preisen zu entscheiden.